Kryptowährungen konnten zuletzt deutlich an Wert gewinnen. Von diesem regen Interesse können zudem die Aktienmärkte profitieren.

Digital Assets erholten sich im Oktober dank des starken makroökonomischen Rückenwinds, der Saisonalität und Fundamentaldaten, die Bitcoin um 59 Prozent und Ethereum um 88 Prozent in die Höhe trieben, wie Matthew Sigel, Head of Digital Assets Research bei Vaneck in seinem aktuellen Digital-Asset-Kommentar schreibt.

Makroökonomische Faktoren wie der Verbraucherpreisindex in den USA sorgten dafür, dass sich das Interesse an Inflationsabsicherungen in Form von Rohstoffen und Kryptowährungen erhöhte. Die Gesamtzahl der Bitcoin- und Ethereum-Adressen stieg um 1,5 bzw. 2,7 Prozent gegenüber dem Vormonat, was die höchste Wachstumsrate seit April darstellt. „Die beiden größten Blockchain-Netzwerke dürften im Jahr 2021 Zahlungen im Wert von fast 8 Billionen US-Dollar abwickeln, was etwa zwei Dritteln des Werts des Visa-Netzwerks entspricht und zehnmal schneller wächst“, sagt Sigel.

Kryptowährungen bringen Kapitalmarkt in Schwung

Die breite Einführung digitaler Vermögenswerte sorgt weiterhin für eine rege Kapitalmarktaktivität, einschließlich mehrerer Börsengänge. In den USA beschaffte beispielsweise der Miner Stronghold Digital 127 Millionen US-Dollar, der behauptet dank der Renewable Energy Credits und staatlicher Steueranreize für die Renaturierung stillgelegter Kohlebergwerke die niedrigsten Kosten unter den börsennotierten Bitcoin-Minern zu haben. Unterdessen haben auch das in Delaware ansässige Unternehmen Rhodium Enterprise und die australische Gesellschaft Iris Energy Pläne für eine Kapitalbeschaffung in Höhe von jeweils 100 Millionen US-Dollar im Rahmen von IPOs eingereicht.

Das koreanische Krypto-Gaming-Unternehmen WeMade stieg im Oktober um 165 Prozent und machte den Gründer Park Kwan-Ho laut Forbes zum Milliardär. Drei der fünf reichsten Männer Südkoreas erwirtschaften mittlerweile zumindest einen Teil ihres Vermögens mit digitalen Assets. Das Kryptorollenspiel Mir4 von WeMade wurde seit dem 31. August in 170 Ländern mit mehr als 1,5 Millionen Downloads auf Android und Apple eingeführt, wobei die Downloads auf Steam, das vor zwei Wochen Kryptospiele deaktiviert hat, nicht mitgezählt wurden.

„Zeitgleich mit dem Anstieg der kryptobezogenen Kapitalmarktaktivitäten haben wir in diesem Monat auch eine deutliche Zunahme von Broker-Research zu Kryptowährungen in unseren Posteingängen festgestellt“, sagt Sigel. „Ein solches Research fördert oft zusätzliche Kapitalmarktaktivitäten. Dies hat sich auch darin gezeigt, dass bei den drei im letzten Monat beantragten Bitcoin-Börsengängen JPMorgan, Citigroup, Macquarie, Canaccord Genuity, Cowen und Tudor Pickering als Underwriter und Bookrunner beteiligt waren.“

„Da sich Kryptounternehmen allein im dritten Quartal 8,2 Milliarden US-Dollar beschaffen konnten, dürften Anleger unseres Erachtens in den kommenden Monaten mit Analysen überflutet werden, in denen diese neuen Themen erläutert werden“, erwartet Sigel. Angesichts des makroökonomischen Umfelds von Lieferkettenengpässen und Inflationssorgen scheint sich der Übergang des Markts zu „entmaterialisierten“ Produkten und Dienstleistungen wie NFTs und digitalem Bauland im Metaverse zu beschleunigen.

Thomas Brummer war bereits für das Anlegermagazin "Der Aktionär" und das Verbraucherportal biallo.de tätig. Zudem hospitierte er in der Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post in Düsseldorf. Seit 2018 ist er Mitglied der Redaktion und seit 2020 als stellvertretender Chefredakteur für das Anlegerportal extraETF.com und das Extra-Magazin verantwortlich. Er verfasst zudem regelmäßig Beiträge auf geld-digital.de.