Eine Studie verdeutlicht den veränderten Fokus von Banken. Es zeichnet sich die Abkehr von der traditionellen Rolle des Relationship Managers hin zur Kundenbindung ab.

Eine Studie von Finastra, die auf dem virtuellen Branchenevent Finastra Universe vorgestellt wird, zeigt, dass sich die Prioritäten von Geschäftsbanken und deren Kunden in den nächsten fünf Jahren ändern werden. Corporate Banks werden sich vom traditionellen Ansatz zum Aufbau von Kundenbeziehungen (Erweiterung des Netzwerks beim Kunden zum Cross Selling zusätzlicher Dienstleistungen und Produkte) wegbewegen, hin zu „Plattform-Playern“, die echte Mehrwertservices und Echtzeittransaktionen anbieten können.

„Durch die Pandemie hat sich die digitale Transformation beschleunigt und zwingt Banken, ihr Kreditgeschäft, die Handelsfinanzierung und das Cash Management anzupassen. Um weiterhin erfolgreich zu sein, müssen Organisationen ihre Geschäftsmodelle ändern und neue Infrastrukturen einführen, die den Weg zu einem digitalen, durchgängigen, plattformgesteuerten Corporate Banking unterstützen. Wir erwarten nicht, dass der digitale Wandel die Rolle des Kundenbetreuers abschafft, vielmehr schafft die Digitalisierung neue Möglichkeiten, um auf aufschlussreiche Daten zuzugreifen, um schnellere Entscheidungen zu treffen“, so Torsten Pull, SVP & General Manager für Corporate Banking bei Finastra.

Das tut sich bei Fintechs

Die Studie, in der mehr als 700 Verantwortliche aus den Bereichen Relationship Management, Technologie und Produktentwicklung von globalen Corporate Banks befragt wurden, zeigt, wie sich die Prioritäten in den nächsten fünf Jahren hinsichtlich der Anforderungen ihrer Kunden verändern werden. Die Antworten zeigen, dass Banken in den nächsten fünf Jahren Onlinebanking, Mehrwertservices sowie Transaktionen in Echtzeit gegenüber dem traditionellen Produkt- und Dienstleistungsangebot ihrer Bank und dem Relationship Management priorisieren werden.

Corporate Banks müssen darauf reagieren. Die Einsicht zur Veränderung ist vorhanden, da die Ausgaben für die digitale Transformation in diesen Organisationen bis 2025 voraussichtlich steigen werden:

  • Cash Management und Handelsfinanzierung: Banken erwarten, dass die Ausgaben für digitale Entwicklungen um rund 30 Prozent steigen werden.
  • Kreditvergabe: Auch hier erwarten die Banken einen Anstieg der Ausgaben für digitale Entwicklungen um circa 20 Prozent.

Da die persönliche Kundenbeziehung an Priorität verliert und die Pandemie Lücken aufzeigt, ändern Corporate Banks ihren Fokus:

Cloud-Technologien und die digitale Unterschrift sind die wichtigsten Anwendungen, die Banken so schnell wie möglich benötigen:

  • Rund 19 Prozent der Banken gaben an, dass die Cloud als Maßnahme zum Umgang mit COVID-19 benötigt wird, sie aber derzeit keinen Zugang (in den Bereichen Cash Management, Kreditvergabe und Handelsfinanzierung) zu Cloud-Technologien haben.
  • Die digitale Unterschrift wurde ebenfalls als Anforderung genannt, aber 18 Prozent der Banken haben (über die Bereiche Cash Management, Kreditvergabe und Handelsfinanzierung hinweg) derzeit keinen Zugang.
  • Mehr als 80 Prozent der Kreditgeber sagen, dass die Kontoprüfung ebenfalls eine wichtige Digitalisierungspriorität darstellt.

„Die Notwendigkeit, schnellere, agilere und maßgeschneiderte Corporate Finance-Lösungen über alle Sektoren hinweg anzubieten, veranlasst Banken, sich auf eine digitale Transformationsreise zu begeben. Die Agilität und Expertise von Fintech-Partnern werden dabei ebenso wichtig sein wie die gemeinsame Zusammenarbeit über offene Plattformen. Unsere Studie zeigt, dass rund 70 bis 75 Prozent der Banken bereits mit Fintech-Partnern zusammenarbeiten oder dies für das nächste Jahr planen. Diesen Wandel sollten wir begrüßen. Er wird dazu beitragen, zukünftiges Wachstum zu beschleunigen“, erklärt Torsten Pull.

Thomas Brummer war bereits für das Anlegermagazin "Der Aktionär" und das Verbraucherportal biallo.de tätig. Zudem hospitierte er in der Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post in Düsseldorf. Seit 2018 ist er Mitglied der Redaktion und seit 2020 als stellvertretender Chefredakteur für das Anlegerportal extraETF.com und das Extra-Magazin verantwortlich. Er verfasst zudem regelmäßig Beiträge auf geld-digital.de.