Erik Swords, Fondsmanager des BNY Mellon Blockchain Innovation Fund bei Mellon – eine Gesellschaft von BNY Mellon Investment Management, äußert sich zum Krypto-Markt als neue Anlageklasse und zu den Herausforderungen und Chancen für Investoren.

Kryptowährungen sind in aller Munde. Kursexplosionen, aber auch harsche Rücksetzer kennzeichnen ihren weg. Erik Swords legt seine Sicht zu Kryptowährungen dar.

Was bedeutet das hohe Wachstum des Krypto-Marktes für die Finanzindustrie? Kann der Krypto-Markt als eine neue Anlageklasse eingeordnet werden oder handelt es nur um eine technologische Weiterentwicklung?

Der Krypto-Markt und die Entwicklung der Blockchain-Technologie gehen Hand in Hand. Die digitale Transformation war bereits vor der Corona-Pandemie in vollem Gange. Die Krise hat die Digitalisierung unserer Gesellschaft um schätzungsweise zwei bis drei Jahre beschleunigt.

Der Krypto-Markt ist mittlerweile ein Billionen-Dollar-Markt und wächst sehr schnell. Ich bin davon überzeugt, dass es sich dabei tatsächlich um eine neue, aber noch junge Anlageklasse handelt. Die Eigenschaften der Blockchain-Technologie und ihre Anwendungsmöglichkeiten in der heutigen Gesellschaft haben eine enorme Dynamik erzeugt. Bitcoin und andere Kryptowährungen liefern die Bausteine für den Übergang des Marktes zu tokenisierten Vermögenswerten – Investments mit sehr großem Potenzial.

Wie wird sich dieses neue Universum entwickeln? Und wohin treibt uns der Markt für Krypto-Assets?

Die Blockchain-Technologie wird praktisch in jeder Branche genutzt – das macht sie so interessant. Der dezentrale Finanzdienstleistungsbereich ist der bisher größte. Davon abgesehen entwickeln sich Anwendungsfelder in der Lieferkettennachverfolgung, im Sicherheits- und Identifizierungs-Management, beim mobilen Bezahlen, zur Vermeidung von Zensur im Journalismus, im Internet der Dinge, im Marketing oder auch in der Kunst – wo die kürzlich heiß diskutierten Non-Fungible-Token (NFTs) zum Einsatz kommen.

Welches sind die größten Herausforderungen für den Krypto-Markt?

Es gibt zwei wesentliche Herausforderungen: Regulierung und Akzeptanz. Im Moment herrscht noch ein uneinheitliches Verständnis von Kryptowährung, Krypto-Assets und der Nutzung der Blockchain-Technologie. In den USA gibt es bisher noch keinen regulierten Bitcoin-ETF, in der Schweiz und Kanada hingegen schon.

Es scheint, dass der Krypto-Markt mehr und mehr von Privatanlegern und institutionellen Investoren akzeptiert wird, betrachtet man die Wertentwicklung des Krypto-Marktes in Q4/2020 und Q1/2021. Allerdings bedarf es weiterhin sehr guter Anwendungsfälle für die Blockchain-Technologie, damit dieser Markt weiter wachsen kann.

Warum ist die Anlageklasse für Investoren attraktiv?

Die neue Anlageklasse ist für Investoren interessant, weil es sie schon seit über zehn Jahren gibt und die beste Wertentwicklung im letzten Jahrzehnt im Vergleich zu den übrigen Anlageklassen verzeichnete. Wir sehen immer wieder Fälle, in denen sich vermögende Privatpersonen an ihre Vermögensberater wenden und sie fragen, wie sie Zugang zum Krypto-Markt und der Blockchain-Technologie bekommen können.

Wie kann ein Investor in Krypto-Assets investiert?

Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, wie Anleger in Kryptowährungen investieren können, aber die meisten sind mit Vorsicht zu genießen. Einige Wertpapiere werden auf dem OTC-Markt gehandelt, was einige institutionelle Anleger von der Anlage ausschließt. Einzelpersonen können Krypto-Börsen für den Kauf oder Verkauf einzelner Krypto-Unternehmen nutzen. Oder sie investieren in Fonds, die auf Aktien-Unternehmen setzen, die die Blockchain zur Lösung von Problemen aus der Praxis nutzen.

Die Industrie zeigt sich zurückhaltend. Hat die Anlageklasse eine Zukunft?

Der Krypto-Markt ist sicherlich sehr volatil. Diese Schwankungen werden sich aber mit der Zeit stark verringern. Wir gehen davon aus, dass es weiterhin unterschiedliche Phasen der Akzeptanz und Ablehnung von Krypto-Assets und der Blockchain-Technologie geben wird. Wenn man den Markt mit einem Zehn-Jahres-Horizont betrachtet, kann man kurzfristige Schwankungen jedoch besser tolerieren.

Thomas Brummer war bereits für das Anlegermagazin "Der Aktionär" und das Verbraucherportal biallo.de tätig. Zudem hospitierte er in der Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post in Düsseldorf. Seit 2018 ist er Mitglied der Redaktion und seit 2020 als stellvertretender Chefredakteur für das Anlegerportal extraETF.com und das Extra-Magazin verantwortlich. Er verfasst zudem regelmäßig Beiträge auf geld-digital.de.