Kryptowährungen haben zuletzt ordentlich Federn gelassen. Man sollte daher ausschließlich in Kryptos investieren, die man versteht.

Kryptowährungen haben in den vergangenen Wochen deutlich an Wert verloren. Noch einmal beschleunigt hat diese Entwicklung der Zusammenbruch des Kryptowerts Luna, ein Coin, der mit dem Stablecoin TerraUS (UST) gekoppelt ist. „Das Geschäftsmodell der Terra-Blockchain, eine Basis für algorithmische Stablecoins anzubieten, ist gescheitert“, sagt Hartmut Giesen. „Viele Anleger haben hier investiert, ohne den Coin und sein Geschäftsmodell wirklich verstanden zu haben.“

Eine Grundregel für die Geldanlage heißt: Investiere nur in das, was Du verstehst. „Das sollten Anleger auch und gerade beim Investment in Kryptowerte befolgen“, sagt Giesen. „Denn Kryptowerte sind in den meisten Fällen nicht einfach nur Währungen.“ Und auch wenn deren Funktionsweise bekannt zu sein scheint, entsteht auch hier der Wert aus einer sehr komplexen Mischung aus Angebot und Nachfrage, Vertrauen, Politik und makroökonomischen Randbedingungen. Bei Coins ist die Mischung noch komplexer, denn in der Regel werden sie für einen Anwendungsfall oder das Geschäftsmodell einer Blockchain oder eines Smart Contracts, der auf einer Blockchain läuft, eingesetzt.

Die Investoren in den Kryptowert Luna mussten dies jetzt schmerzlich feststellen. Sein Wert ist innerhalb weniger Tage von rund 80 Euro auf quasi 0 gefallen. Luna ist der volatile Gegencoin zum Stablecoin UST, der immer einen Dollar wert sein sollte. „UST ist ein sogenannter algorithmischer Stablecoin, dessen Wert nicht durch eine Besicherung in Dollar gewährleistet wird, sondern eben durch einen Algorithmus“, so Giesen. Luna sollte vereinfacht dargestellt so funktionieren, dass wenn viele UST gekauft wurden – deren Preis also stieg – Luna in UST umgewandelt wurden, so dass deren Menge stieg und der Preis sich wieder nach unten anpasste. Umgekehrt wurden UST in Luna gewandelt, wenn zu viele Stablecoins den Preis unter einen Dollar drückten.

Weil im Zuge des generellen Abzugs von Kapital viele Anleger ihre UST in echte Dollars umtauschen wollten, konnte der Prozess den Stablecoin nicht bei dem Wert von einem Dollar halten. „Das führte dazu, dass Vertrauen in den Algorithmus verloren ging und ein regelrechter Run einsetzte“, so Giesen. „Hinzu kam, dass große Fonds gegen den UST gewettet hatten, weil seine prinzipiellen Schwächen in Krisensituationen bekannt waren.“ Synchron mit der verlorenen Dollar-Bindung ging der Wert von Luna gegen Null, weil sich gleichzeitig deren Menge enorm vergrößerte und ihn niemand mehr kaufen wollte – außer Zocker, die auf eine Erholung von Luna wetteten.

Kryptowährungen: Auf Größe und Streuung achten

Für Anleger lassen sich daraus mindestens zwei Lehren ziehen: Investiere nur in Dinge, die Du verstehst, ist die Nummer 1. „Algorithmische Stablecoins sind nur ein Beispiel für komplexe Prozesse, die den Wert vieler Coins oder Token bestimmen“, sagt Giesen. „Wenn man nicht blindlings einer Herde hinterherlaufen möchte, muss man verstehen, welches Geschäftsmodell hinter dem jeweiligen Kryptowert steht.“ Gerade im Bereich Decentralized Finance, in denen Coins oder Token dazu dienen, Smart Contracts – im Grunde auch Algorithmen – laufen zu lassen, verstehen Laien oft nicht, was eigentlich dort passiert, und welche Risiken mit dem jeweiligen Smart Contract verbunden sind. „Das gleiche gilt übrigens auch für weitere Blockchain-Phänomene wie etwa NFT“, so Giesen.

Für langfristig orientierte Anleger hat Luna einmal mehr gezeigt, dass Kryptowerte, wenn überhaupt, immer nur ein kleiner Teil des Portfolios sein sollten. Investments in Coins und Token auf den oberen Plätzen der Kapitalisierungslisten reduzieren dabei das Risiko, weitere Maßnahmen wie das Investment in weiter gestreute Portfolios oder umgekehrt der Fokus auf die beiden Top-Währungen Bitcoin und Ether minimieren es weiter. „Aber Krypowerte tragen das Risiko des Totalverlusts immer mit – was aber bei Aktien, siehe Wirecard, oder sogar bei Einlagen, siehe Greensill, auch nicht ausgeschlossen werden kann“, sagt Giesen.

Thomas Brummer war bereits für das Anlegermagazin "Der Aktionär" und das Verbraucherportal biallo.de tätig. Zudem hospitierte er in der Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post in Düsseldorf. Seit 2018 ist er Mitglied der Redaktion und seit 2020 als stellvertretender Chefredakteur für das Anlegerportal extraETF.com und das Extra-Magazin verantwortlich. Er verfasst zudem regelmäßig Beiträge auf geld-digital.de.