Mit Krypto-Assets wie Bitcoin und Ethereum können Anleger ihr Portfolio nun noch breiter aufstellen. Zwei Depot-Strategien zeigen, wie Anleger Risiko und Renditechancen besser steuern.

Eine hohe Rendite ist erfreulich, doch bei Investments sollten Anleger auch immer das Risiko im Auge behalten. Nicht von ungefähr raten Kapitalmarktexperten dazu, „nicht alle Eier in einen Korb zu legen“. Eine Markteinschätzung von Michael Bußhaus, Gründer und Geschäftsführer von Justtrade.

Eine der wohl grundlegendsten Investment-Weisheiten ist es, das eigene Depot möglichst breit zu streuen. Der Gedanke dahinter: Anleger, die in verschiedene Asset-Klassen investieren, erhöhen ihre Chancen und verringern ihr Risiko. Doch die Zeiten, in denen ausschließlich Aktien, Anleihen und Rohstoffe den Weg ins Depot finden sollten, gehören der Vergangenheit an. Inzwischen haben sich auch digitale Assets wie Bitcoin und Ethereum als Anlageklasse etabliert. Investoren sollten die Kryptowährungen aber nicht nur wegen ihres Renditepotenzials im Auge behalten, sondern auch, um vom Diversifizierungs-Effekt zu profitieren.

Ein durchdachtes Portfolio verfügt neben Cash-Reserven über vier verschiedene Positionen. So sind etwa Aktien, Rohstoffe, Kryptowerte und Anleihen Teil eines ausbalancierten Depots. Durch die Streuung der Investments werden Anlagerisiken bereits reduziert, über die prozentuale Verteilung der jeweiligen Assetklassen lassen sich Renditechancen und Risiko noch weiter steuern. Zwei Modelle bieten sich besonders gut für das Portfoliomanagement an.

Das ausgewogene Depot

Aktien und Anleihen bilden mit einem Depotanteil von jeweils 30 Prozent das Fundament eines ausgewogenen Portfolios. Um das Risiko möglichst gering zu halten, bieten sich vor allem Aktien- und Anleihen an, die unterschiedliche Branchen und Regionen abdecken. Eine entsprechende Umsetzung mit Zertifikaten oder ETFs ist alternativ ebenfalls möglich und oftmals deutlich einfacher. 20 Prozent sollten hingegen als Cash-Reserve bereit liegen.

Darüber hinaus werden 15 Prozent der gesamten Anlage in Rohstoffe investiert. Neben dem Kauf von physischen Edelmetallen wie Gold und Silber bietet sich auch der Handel mit Zertifikaten und ETCs (Exchange Traded Comodity) an. Zuletzt bilden Krypto-Werte mit fünf Prozent den kleinsten Anteil des Depots. Aufgrund des geringen Depot-Anteils sollten Anleger hier vor allem über den Kauf klassischer Krypto-Schwergewichte wie Bitcoin (BTC) und Ethereum (ETH) nachdenken.

Das wachstumsorientierte Depot

Risikofreudigere Anleger können hingegen stärker in Aktien und Kryptowerte investieren. Wie bei der ausgewogenen Depotstruktur bietet sich eine Diversifizierung der Aktien in verschiedene Branchen, größere und kleinere Marktkapitalisierung und unterschiedliche geographische Standorte an. Statt einer 30/30-Aufteilung in Aktien und Anleihen, wird zu 60 Prozent in Aktien investiert. Anleihen spielen im wachstumsorientierten Depot mit 5 Prozent eher eine untergeordnete Rolle. Hinzu kommen Rohstoffe und Cash-Reserven, die jeweils mit 10 Prozent vertreten sind. Digitale Assets nehmen hier mit einem Anteil von 15 Prozent die zweitgrößte Position im Depot ein.

Aufgrund ihrer starken Marktdominanz repräsentieren Bitcoin und Ethereum im wachstumsorientierten Depot den Löwenanteil der investierten Kryptowerte. Darüber hinaus haben aber auch andere spannende Projekte mit etwas geringerer Marktbewertung Platz im Portfolio. Fünf Werte liegen derzeit im Trend: Chainlink (LINK) basiert auf Ethereum und verbindet die „reale“ Welt durch sogenannte Oracles mit der Welt digitaler Smart Contracts. Uniswap (UNI) ist eine dezentrale Kryptobörse, die Transaktionen zwischen Token auf Basis der Ethereum-Blockchain mit Hilfe von Smart Contracts ermöglicht. Solana (SOL) ist der Schnellzug unter den Blockchains: Mit hohen Transaktionsraten und niedrigen Gebühren macht das neue Netzwerk Ethereum kräftig Konkurrenz. Cardano (ADA) tritt ebenfalls in die Fußstapfen von Ethereum und überzeugt Anleger mit einer besonders sicheren und effizienten Blockchain. Polkadot (DOT) hingegen ist ein Blockchain-Protokoll, das unterschiedliche Blockchains miteinander verbindet. Das Projekt soll Kernstück des kommenden Web3 sein, einer Weiterentwicklung des Web 2.0 auf Basis der Blockchain.

Wann sich der Kauf von Krypto-ETPs lohnt

Beim Kauf digitaler Assets haben Anleger verschiedene Optionen: entweder der Handel mit physischen Coins oder Krypto-ETPs (Exchange Traded Product). ETPs können wie Wertpapiere gehandelt werden und sind daher häufig eine sinnvolle Alternative zum Kauf von physischen Coins. Bei ETPs handelt es sich um besicherte, zinslose Schuldverschreibungen, deren Wertentwicklung auf Grundlage eines Referenz-Assets diesen Referenzwert nahezu 1:1 nachbildet. Der Wert eines Bitcoin-ETP entspricht also ziemlich genau dem aktuellen realen Bitcoin-Kurs. Die preisliche Zusammensetzung des jeweiligen ETP wird täglich veröffentlicht, Investoren bekommen daher ein hohes Maß an Transparenz geboten. ETPs sind vor allem für Krypto-Einsteiger geeignet. Sie bietet Anlegern die Möglichkeit, digitale Assets wie Bitcoin zu erwerben und wie Wertpapiere über bekannte Handelsplätze zu handeln. Übrigens: Inzwischen können Anleger auch in eine Vielzahl von ETP-Sparplänen investieren, wodurch das Risiko noch ein wenig stärker reduziert werden kann.

Gewinne aus ETPs fallen jedoch – wie Wertpapiere auch – unter die Kapitalertragssteuer. Hier bietet der Kauf physischer Coins einen großen Vorteil: Anleger, die Bitcoin & Co direkt kaufen, können die Gewinne aus ihrer Investition nach einem Jahr Haltezeit steuerfrei realisieren. Bei ETPs ist das nicht der Fall – hier werden Steuern auf die Gewinne auch nach über einem Jahr Haltedauer fällig. Insbesondere bei langfristigen Strategien ist eine Investition in physische Krypto-Token für Anleger daher deutlich lukrativer.

Über den Autor

Michael Bußhaus ist Gründer und Geschäftsführer von Justtrade. Er war Geschäftsführer der Onvista Bank und verantwortete bis 01/2019 als Head of Brokerage das gesamte Wertpapiergeschäft der Comdirect Bank AG.

Thomas Brummer war bereits für das Anlegermagazin "Der Aktionär" und das Verbraucherportal biallo.de tätig. Zudem hospitierte er in der Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post in Düsseldorf. Seit 2018 ist er Mitglied der Redaktion und seit 2020 als stellvertretender Chefredakteur für das Anlegerportal extraETF.com und das Extra-Magazin verantwortlich. Er verfasst zudem regelmäßig Beiträge auf geld-digital.de.