Die im Zuge der Covid-19-Pandemie verabschiedeten Kontakteinschränkungen haben natürlich auch in der Immobilienbranche massive Konsequenzen nach sich gezogen. Objekt-Besichtigungen, Notartermine und die gemeinsame Arbeit in Geschäftsräumen musste quasi „von jetzt auf gleich“ eingestellt und durch Alternativen ersetzt werden. Der sichere Wechsel ins Home-Office stellte dabei nur eine der zahlreichen Herausforderungen für die IT-Verantwortlichen dar. Nichtsdestotrotz stellt sich die Immobranche doch wesentlich „Digitalisierungs-reifer“ dar, als gemeinhin angenommen wird.    

Das Immobiliengeschäft wird auch im 21. Jahrhundert immer noch hauptsächlich der Kategorie „People-Business“ zugeordnet. Der direkte, teilweise langjährige und vertrauensvolle persönliche Kontakt stellt sicherlich das Fundament vieler etablierter Akteure dieser Branche dar. Auch liefen etliche Prozesse trotz probater Alternativen rein manuell ab, die „Handarbeit“ gehörte bis zum „Corona-Schock“ zum Alltag vieler Makler, Verwalter und Unternehmer.

Der disruptive Lockdown

Je stärker der Analoganteil der Wertschöpfungskette zum Zeitpunkt des landesweiten Lockdowns ausgeprägt war, desto schwieriger stellte sich auch in der Immobranche die Rückkehr zur Produktivität dar. Gerade kleinere Unternehmen standen vor der kurzfristigen Herausforderung, ihre Mitarbeiter auch im Home-Office sicher und performant an die Betriebs- und Kundendaten anzubinden – und gleichzeitig Ersatz für die ausgefallenen Präsenztermine zu finden. Erfreulicherweise litt die Kundennachfrage nur für einen vergleichbar kurzen Zeitraum und stieg danach wieder kontinuierlich an. Die Menschen tendieren in unsicheren Zeiten eben zu Investitionsobjekten, die bereits seit Jahrhunderten zu den sichersten Anlageoptionen zählen. Dementsprechend gestaltete sich die „Verschnaufpause“ der Branchen-Player, die für die Suche nach Alternativen genutzt werden konnte, ziemlich übersichtlich.

Kreative und pragmatische Vorgehensweise

Angesichts der eher suboptimalen Rahmenbedingungen meisterte die Mehrzahl der in der Immobilienbranche engagierten Unternehmen diese Aufgabe dann doch erstaunlich gut – und teilweise ziemlich pfiffig. Denn an Innovationen und Lösungen mangelte es im Immobiliensektor auch vor der Covid-19-Pandemie schon nicht. Zahlreiche Start-ups beschäftigen sich schon seit geraumer Zeit mit der Frage, wie den Wünschen der immer technikaffineren Kunden begegnet werden kann. Welche Bereiche lassen sich automatisieren, welche Aufgaben eignen sich eher nicht für die Virtualisierung? Der Fokus lag und liegt dabei auf den Erwartungen und Bedürfnissen der Kunden, die selbst entscheiden wollen, welche Informationen ihnen wann zur Verfügung gestellt werden und in welcher Form sie Kontakt zu den Anbietern aufnehmen.

„Von Haus aus“ hohes Virtualisierungspotential

Nun verfügt gerade die Immobilienbranche über einen ganz besonderen Vorteil gegenüber anderen Wirtschaftsbereichen: Häuser, Wohnungen und Gewerbeobjekte wechseln bereits seit Jahrtausenden rein virtuell den Besitzer. Zwar geht es sehr oft um hohe Beträge, die Immobilien bleiben aber in aller Regel dort, wo sie ursprünglich errichtet wurden. Insofern dreht sich das gesamte Geschäft um Informationen, Verwaltungsaufgaben und Transaktionen. Diese können bereits heute weitestgehend digital erledigt und abgewickelt werden. Hinzu kommen bei einer wirklich ernstgemeinten, unternehmensweiten Digitalisierungsinitiative einerseits adäquate Optionen, die Objekte auch ohne physische Anwesenheit ausgiebig und nach eigenem Gusto in Augenschein nehmen zu können. Hier finden sich zahlreiche 3D-Dienstleister am Markt. Andererseits sollte man auch keine Up- oder Cross-Sale-Möglichkeiten übersehen, die z.B. über eine App den Kunden interessante Angebote von Partnern unterbreiten.

Insgesamt sehe ich die Immo-Branche also mit viel Potential und Engagement der Digitalen Transformation entgegentreten.

Über den Autor

Thomas Knedel kann auf eine mehr als 20-jährige Erfahrung in der Immobilienbranche zurückblicken. Der Immobilienunternehmer ist Gründer der Bad Homburger Unternehmensgruppe Triamis. Nebenbei gibt Knedel auch sein Wissen über Investmentstrategien weiter.

Thomas Brummer war bereits für das Anlegermagazin "Der Aktionär" und das Verbraucherportal biallo.de tätig. Zudem hospitierte er in der Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post in Düsseldorf. Seit 2018 ist er Mitglied der Redaktion und seit 2020 als stellvertretender Chefredakteur für das Anlegerportal extraETF.com und das Extra-Magazin verantwortlich. Er verfasst zudem regelmäßig Beiträge auf geld-digital.de.