Die Geldpolitik der Europäische Zentralbank (EZB) und die Unsicherheiten der Coronakrise stützen das Niedrigzinsniveau bei Baukrediten.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat Anfang Juni 2020 eine Ausweitung des Anleihekaufprogramms beschlossen. Die expansive Geldpolitik der Notenbanken und die Unsicherheiten aufgrund der Coronakrise halten die Bauzinsen derzeit weiter niedrig, berichtet Interhyp, Deutschlands größter Vermittler für private Baufinanzierungen. „Die Konditionen haben sich im Mai bei leichten Schwankungen seitwärts bewegt. Immobilienkäufer erhalten Anfang Juni Darlehen mit zehnjähriger Zinsbindung überwiegend zu Zinssätzen um 0,8 Prozent, bei sehr guter Bonität und hohem Eigenkapitaleinsatz sind auch noch bessere Konditionen möglich“, erklärt Mirjam Mohr, Vorständin im Privatkundengeschäft von Interhyp. Die günstigen Zinsen führen zu einem anhaltend großen Interesse an Immobilienfinanzierungen, zumal auch Besichtigungen von Häusern und Wohnungen durch die Coronalockerungen wieder einfacher möglich sind, so Interhyp. Die monatlich für das Interhyp-Bauzins-Trendbarometer befragten zehn deutschen Kreditinstitute sehen in den nächsten Wochen und auf Jahressicht mehrheitlich eine Seitwärtsbewegung voraus. Aufgrund der hohen Liquidität am Markt und bei einer konjunkturellen Erholung erwarten einige Experten in einigen Monaten auch wieder leicht steigende Bauzinsen.

Bauzinsen orientieren sich an Staatsanleihen

Neben den Auswirkungen der Coronakrise haben wieder aufflammende Spannungen zwischen den USA und China sowie die Unruhen in den USA das Marktgeschehen geprägt. Gleichzeitig zeigte sich im vergangenen Monat eine langsame Rückkehr zur neuen Normalität. „Die Auswirkungen aus Staatsverschuldung, Geldmengenwachstum, geringeren Steuereinnahmen und dem Wirtschaftseinbruch sind im Augenblick schwer abschätzbar“, sagt Mirjam Mohr. Viele Anleger investieren ihr Geld angesichts der bestehenden Unsicherheiten weiterhin in deutsche Staatsanleihen. Die hohe Nachfrage hält deren Renditen tief. Die Renditen von zehnjährigen Bundesanleihen sind zwar von rund minus 0,6 Prozent auf aktuell etwa minus 0,4 Prozent etwas gestiegen. Sie befinden sich jedoch anhaltend im negativen Bereich. „Da sich die Zinsentwicklung beim Baugeld an den Renditen der Staatsanleihen orientiert, bleibt das Aufwärtspotenzial für die Zinsen bei Immobilienkrediten begrenzt“, erläutert die Expertin.

Besichtigung wieder eher möglich

Wer im Internet sein Traumobjekt gefunden hat, kann die Immobilie nach Wochen vorwiegend virtueller Besichtigungsmöglichkeit nun zunehmend und unter Auflagen vor Ort begutachten. „Das Interesse am eigenen Zuhause ist ungebrochen, für viele geht die Rechnung Kaufen statt Mieten noch immer auf. Einen großen Anteil an der Rechnung zugunsten von Wohneigentum haben nicht zuletzt die niedrigen Zinsen für Immobiliendarlehen“, erklärt Mirjam Mohr im aktuellen Interhyp-Zinsbericht.

Trotz der günstigen Zinsen sollten Immobilienkäufer darauf achten, dass die Finanzierung zur Art des Eigentumserwerbs passt. Besonders wer vom Bauträger kauft oder selbst baut, sollte Kredite auf bereitstellungszinsfreie Zeiten und die Bereitstellungszinsen hin vergleichen.

Thomas Brummer war bereits für das Anlegermagazin "Der Aktionär" und das Verbraucherportal biallo.de tätig. Zudem hospitierte er in der Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post in Düsseldorf. Seit 2018 ist er Chefredakteur für das Anlegerportal extraETF.com und das Extra-Magazin. Er verfasst regelmäßig Beiträge auf geld-digital.de.