Bitcoin gilt als dezentral, fälschungssicher und zudem noch begrenzt. Ideale Voraussetzungen also für eine digitale Ersatzwährung und Argumente für Millionen Krypto-Fans weltweit. Doch zumindest die Integrität von Bitcoin ist ernsthaft in Gefahr. Wie Wired berichtet, hat der Bitcoin-Miner Bitmain inzwischen eine so große Macht, dass er die Kryptowährung womöglich kontrollieren könnte. Bitmain stellt Hardware her, mit denen Bitcoin geschürft werden. Dies geschieht durch Rechenoperationen, bei denen Transaktionen mit der Währung validiert werden. Die Firma aus Peking hat sich mit seiner schnellen Hardware einen Namen gemacht und bereits zahlreiche Container bis hin zu Lagerhallen damit bestückt. Im vergangenen Jahr haben Rechner des Unternehmens mehr als ein Drittel aller Bitcoins geschürft. Für die Kryptowährung könnte dies gefährlich werden.

Bitmain und die 51 Prozent

Im April 2017 wurde auf Rechnern von Bitmain eine Funktion gefunden, die Kritiker eine Sicherheitslücke nennen: Dabei wird die Seriennummer des Geräts inklusive MAC-Adresse und IP-Adresse übermittelt und verifiziert. Kritiker glauben, der Hersteller von Mining-Hardware könne seine Geräte auf diese Weise vom Netz nehmen. Am Ende würden nur noch Rechner übrig bleiben, über die Bitmain direkte Kontrolle hat. Die Rechenleistung des Unternehmens würde dann womöglich ausreichen, um Bitcoin manipulieren zu können. Dies gilt dann als möglich, wenn eine Partei mehr als die Hälfte der Rechenleistung stellt. Theoretisch ließen sich dann Transaktionen bestätigen, die gar nicht stattgefunden haben. Das Vertrauen in Bitcoin wäre mit einem Schlag erschüttert.

Warum der Bitmain-Börsengang das Risiko reduziert

Wie Wired schreibt, könnte der bevorstehende Börsengang von Bitmain dazu führen, dass sich klassische Finanzunternehmen Einfluss beim Unternehmen sichern und diese Pläne langfristig verfolgen könnten. Doch auch das Gegenteil ist denkbar, wenn nicht sogar wahrscheinlicher: Mit einem Börsengang rückt jedes Unternehmen noch stärker in den öffentlichen Fokus. Derart destruktives Verhalten wäre nicht im Sinne der Aktionäre, die kein Interesse daran haben, sich ihrer herausragenden Marktstellung zu berauben. Das Risiko, dass Bitmain bei Bitcoin die Macht übernimmt und die Kryptowährung in den Abgrund reißt, ist sehr gering. Eine Gefahr für die Ideale von Kryptowährungen als dezentrale und unabhängige Alternativen sind Unternehmen wie Bitmain aber allemal.

Schreibt seit 2006 über Finanzen und Börse. Neben Jobs für Anlegerzeitschriften, Finanzmagazine und Unternehmen aus der Branche beobachtet Nico für Geld-Digital.de seit 2018 spannende Fintechs aus dem deutschsprachigen Raum.