Corona hat die Startup-Welt beeinflusst. Eine aktuelle Studie zeigt, wie sich das Investitionsverhalten in den vergangenen Monaten verändert hat.

Die Corona-Pandemie hat die Startup-Welt in Deutschland im vergangenen Jahr auf den Kopf gestellt. Mit einem Mal brachen Umsätze weg, gab es Probleme mit Zulieferern und den Finanzen. Trotzdem haben es viele junge Unternehmen geschafft, diese Herausforderung zu meistern. Zwei Beispiele zeigen, wie Startups durch die Krise gekommen sind – und warum Kleinanleger weiterhin bereit sind, ihr Geld in junge, innovative Unternehmen zu stecken.

Wie übersteht ein Startup eine solche Krise?

Was braucht es, um als junges Unternehmen eine solch große Herausforderung wie die Corona-Pandemie meistern zu können? Nicole Klingen, Gründerin des Düsseldorfer Startups Kluba Medical, nennt drei Begriffe: Zusammenhalt, Solidarität und kreative Ideen. Die Unternehmerin kann sich noch gut an den ersten Lockdown erinnern. Im Frühjahr, als viele Läden schließen mussten, stand sie vor einem großen Problem. Ihre Produkte rund um die Babygesundheit vertrieb Nicole Klingen damals noch vor allem im Einzelhandel. Von einem auf den anderen Tag war das nicht mehr möglich. Doch davon ließ sich die Unternehmerin nicht unterkriegen. Klingen konzentrierte sich auf das Online-Geschäft. „Den Ausfall im Einzelhandel konnten wir dadurch ein Stück weit auffangen”, sagt sie. Und die Unternehmerin wurde auch kreativ. Der Mund-Nasen-Schutz war zu diesem Zeitpunkt Mangelware, also entschied sich Klingen, Masken für Kinder und Erwachsene ins Sortiment aufzunehmen. „Wir haben uns mit kleinen Nähereien, die aufgrund der Corona-Krise schließen mussten, zusammengetan”, erklärt sie.

Doch gut durch die Krise kamen nicht nur Unternehmen, die ihr Geschäftsmodell an die aktuellen Bedingungen anpassten. So manch ein Startup wuchs in den vergangenen Monaten sogar über sich hinaus. Direkt aus dem Homeoffice meldet sich Nicolas Martin, einer der Gründer des Berliner Unternehmens Primal State. Das Jahr 2020 fasst er in einem Satz zusammen: „Wir konnten in den vergangenen Monaten acht neue Mitarbeiter einstellen und fünf neue Produkte entwickeln.” Wachstum in Krisenzeiten? Für Primal State war das aus zwei Gründen möglich. Von Anfang an setzte das Startup beim Vertrieb seiner funktionellen Lebensmittel auf den Onlinehandel. Der lief trotz Lockdown kräftig weiter. Weil aber auch immer mehr Menschen auf ihre Gesundheit achteten, waren plötzlich die Produkte des Startups noch stärker gefragt. „Natürlich hat uns die Corona-Pandemie privat extrem beschäftigt. Für unser Unternehmen hatte sie aber auch positive Aspekte”, erklärt Nicolas Martin und verkündet noch eine gute Nachricht: „Wir erreichten 2020 insgesamt 50 Prozent Umsatzwachstum.”

Trotz Corona: Crowd-Investoren zögern nicht

Für Primal State ging es auch deshalb aufwärts, weil das Startup im März über ein Crowdinvesting auf der Plattform Seedmatch 600.000 Euro einsammeln konnte. Trotz der vielen Unsicherheiten, die Corona mit sich brachte, waren die Anleger 2020 weiterhin bereit, in junge Unternehmen zu investieren. Über Monate hinweg hat die OneCrowd die Nutzer ihrer Crowdinvesting-Plattformen Seedmatch, Econeers und Mezzany befragt, um herauszufinden, wie sich die Pandemie auf das Investitionsverhalten auswirkt. Fast 200 Menschen nahmen daran teil. Das Ergebnis: Nur wenige Investoren zögerten. Etwa 86 Prozent antworteten, dass die Krise sie mäßig bis gar nicht beim Investieren beeinflusst.

„Dass die Anleger weiterhin in Startups investieren, ist ein gutes Zeichen für junge Unternehmen, die sich weiterentwickeln wollen und dafür das Kapital der Crowd benötigen”, sagt OneCrowd-Geschäftsführer Johannes Ranscht und zieht eine positive Bilanz: „Es war trotz Corona-Pandemie ein gutes Jahr.” Insgesamt startete die OneCrowd in 2020 mehr als 20 neue Crowdinvesting-Kampagnen. Rund zwölf Millionen Euro kamen zusammen.

Thomas Brummer war bereits für das Anlegermagazin "Der Aktionär" und das Verbraucherportal biallo.de tätig. Zudem hospitierte er in der Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post in Düsseldorf. Seit 2018 ist er Mitglied der Redaktion und seit 2020 als stellvertretender Chefredakteur für das Anlegerportal extraETF.com und das Extra-Magazin verantwortlich. Er verfasst zudem regelmäßig Beiträge auf geld-digital.de.