Altersvorsorge und auch Versicherungen sind für viele Kunden kein leidenschaftliches Thema. Die wenigsten Menschen sind voller Freude dabei, wenn es darum geht, die Weichen fürs Alter zu stellen oder aber den bestmöglichen Versicherungsschutz zum günstigsten Preis zu finden. Dies liegt einerseits darin, dass sich Kunden noch immer wenig mit Finanzen auskennen und andererseits in den vielen einzelnen Angeboten, die es rund um Finanzen und Versicherungen gibt. Die Digitalisierung kann einerseits dabei helfen, Wissen rund um Finanzen zu vermitteln und zugleich das bestehende Angebot zu ordnen.

Transparenz und Glaubwürdigkeit als wichtige Währung für Fintechs

Die Digitalisierung der Finanzbranche wird in erster Linie von jungen Startups getragen. Hier hilft keine milliardenschwere Bilanz oder ein großer Markenname, um Vertrauen zu schaffen. Die wichtigste Währung für Fintechs ist die Transparenz. Viele junge Startups erklären Kunden ihr Geschäftsmodell offen und ehrlich. Auch spielt die Unabhängigkeit von Anbietern bei vielen Fintechs eine große Rolle. Selbst diejenigen Fintechs, die zu großen Konzernen gehören, haben diesen Sound übernommen und erkannt, dass es für junge Unternehmen im Finanzbereich zuallererst auf Glaubwürdigkeit ankommt. Dies schafft eine Legitimität, Kunden objektiv über Möglichkeiten rund um die Themen Altersvorsorge und Versicherungen aufzuklären.

Kundenservice: Digital ist besser

Auch sind sich Kunden heute bewusst, dass Finanzlösungen individuell gestaltet sein sollten. Dies macht es plausibel, dass ein Fintech einmal die und einmal jene Lösung Kunden empfiehlt. Zugleich wird sich der Kunde darüber bewusst, im Dickicht der Finanzprodukte besser Unterstützung zu suchen. Mit ihrem transparenten Ansatz und ihren vielfältigen Möglichkeiten sind Fintechs prädestiniert dafür, diese Unterstützung zu leisten. Während klassische Makler schwer Produkte zahlreicher Anbieter überwachen können, haben Fintechs, welche Maklerfunktionen übernehmen, den Vorteil der Skalierung: Da sie zugleich eine große Anzahl Kunden ansprechen und ihre Beratungsleistung in erster Linie mittels Algorithmen erfolgt, können sie eine größere Anzahl Produkte überblicken und damit auch ein größeres Maß an Transparenz bieten. Für Kunden steigt dank digitaler Lösungen die Wahrscheinlichkeit, dass das so gefundene Finanzprodukt auch wirklich zu ihnen passt.

Da der Gedanke an Fonds und Versicherungen die wenigsten Kunden wirklich begeistert, sollte die Kundenbetreuung unkompliziert und effektiv sein. Auch hier bietet die Digitalisierung zahlreiche Vorteile: Sei es das Beratungsgespräch per Video-Konferenz oder aber die kurze Nachfrage an den Chatbot – je unkomplizierter der Kundenservice, desto angenehmer die Nutzererfahrung. Wenn Kundenbetreuung einfach und effektiv ist, stärkt das auch die Bindung zwischen Kunde und Finanzunternehmen.

Apps machen auf Vertragsdetails aufmerksam

Zu einer effektiven Kundenbetreuung gehört es heute auch, die digitalen Möglichkeiten voll auszuschöpfen. Beispielsweise erlaubt die Versicherungs-Apps wie Clark ihren Nutzern, Veränderungen bei Anschrift, Familienstand und anderen persönlichen Daten zentral zu ändern. Diese Informationen werden sogleich für sämtliche Verträge von verschiedenen Anbietern übernommen. Das spart Zeit und ermöglicht ein noch viel wichtigeres Feature: Insurtechs wie Clark können ihre Kunden auf Möglichkeiten hinweisen, die ihr Versicherungsvertrag im Kleingedruckten bietet. Beispiele sind höhere Absicherungssummen bei der Geburt eines Kindes oder aber Wechsel von Krankenkassentarifen ohne zusätzliche Gesundheitsprüfung.

Neben dem Preis definieren sich Versicherungslösungen in erster Linie über die Leistung. Bislang lassen viele Kunden sinnvolle Vertragsoptionen verstreichen, weil ihnen zu Vertragsdetails der verschiedenen Versicherungspolicen der Überblick fehlt. Digitale Helfer können dabei unterstützen, bestehende Policen auch voll auszuschöpfen und so den Nutzen von Versicherungen steigern. Ähnliches gilt bei m Thema Geldanlage oder auch beim Konto: Fintechs können als Mittler zwischen Kunde und Finanzprodukt Lösungen kontinuierlich an neue Gegebenheiten anpassen.

Digitalisierung macht persönliche Beratung besser

Während in Zeiten klassischer Bankgeschäfte der gute Draht zum Bankberater dafür gesorgt hat, dass Kunden rundum betreut wurden, helfen digitale Lösungen heute dabei, einen hohen Qualitätsstandard für alle Nutzer zu sichern. Die Zeiten, in denen lediglich vermögende Kunden von der Finanzbranche rundum gut und vor allem individuell betreut wurden, sind dank standardisierter Lösungen auf Basis cleverer Algorithmen vorbei. Zwar wird die persönliche Beratung auch künftig eine Rolle spielen, doch wird diese dank umfangreicher Daten zur persönlichen Vermögenssituation künftig noch individueller geführt werden können. Die Digitalisierung von Finanzprodukten wird die klassische Beratung also nicht überflüssig machen, sondern verbessern. Davon profitieren letztlich Kunden und Finanzindustrie.

Markus Jordan ist Gründer und Herausgeber verschiedener Medien im Bereich Finanzen. Über die Firma Isarvest veröffentlicht er das EXtra-Magazin, das führende ETF-Magazin in Deutschland und Geld-Digital – das Verbraucherportal für digitale Finanzangebote. Er ist einer der führenden Experten auf diesem Gebiet.