N26 gilt ohne Zweifel als einer der Stars der Fintech-Szene. Das in Wien gegründete Unternehmen machte sich zeitgleich bei digital-affinen Kunden und Investoren beliebt. Stark steigende Kundenzahlen und eine neue Finanzierung Anfang Januar katapultierten das Unternehmen auf viele Titelseiten. Dennoch blieben Fragezeichen. So rätselten Beobachter über lange Zeit darüber, wie viele der inzwischen über zwei Millionen Kunden denn nun tatsächlich ihr Hauptkonto bei N26 hätten. Auch ob die Bank profitabel sein kann, fragten sich viele. Recherchen von Finanz-Szene.de und Gründerszene bringen nun Licht ins Dunkel. Das Ergebnis in Kürze: N26 schreibt Gewinne und wächst zu schier unglaublich geringen Kosten. Mit einer vollwertigen Bank ist N26 aber dennoch nicht zu vergleichen.

N26 hat bei neuen Kunden leichtes Spiel

Wie die gemeinsamen Recherchen zeigen, hat N26 2017 Erträge von 11,24 Millionen Euro erwirtschaftet. Verteilt auf die mutmaßlich rund 450.000 Kunden zu diesem Zeitpunkt ergäbe dies einen Wert zwischen 20 und 25 Euro. Auch zeigen die Recherchen, dass N26 das bisherige Wachstum nicht teuer erkauft hat: 2017 habe man 32 Millionen Euro verbrannt – dieser Betrag erscheint angesichts der jüngsten Kapitalmaßnahmen über insgesamt 400 Millionen Euro zu verschmerzen. Auch muss N26 nicht viel aufwenden, um neue Kunden anzulocken: 2017 sollen rund 400.000 Neukunden Kosten von 7,99 Millionen Euro für die Akquise gegenüber gestanden haben. Je Kunde wären das etwa 20 Euro.

Payment statt Kredite

Trotz der soliden Finanzzahlen zeigen die Recherchen aber auch, dass N26 bislang nur eine Nischenbank ist. Verteilt man die Kundeneinlagen Ende 2017 auf die Zahl der Kunden, steht unterm Strich ein Betrag von rund 600 Euro je Kunde – die Zahl der Gehaltskonten dürfte bei N26 also zumindest 2017 noch eher gering ausgefallen sein. Auch im Bereich der vergebenen Kredite zeigt die Analyse, dass es N26 wohl noch nicht mit den Zahlen klassischer Banken aufnehmen kann. Die Digitalbank machte ihr Geschäft demnach bis 2017 in erster Linie mit Zahlungsdienstleistungen und Karten.

Schreibt seit 2006 über Finanzen und Börse. Neben Jobs für Anlegerzeitschriften, Finanzmagazine und Unternehmen aus der Branche beobachtet Nico für Geld-Digital.de seit 2018 spannende Fintechs aus dem deutschsprachigen Raum.