Die Digitalisierung macht auch nicht vor der Bankenbranche halt. Darauf hat EZB-Bankenaufsicht nun mit einem Leitfaden für Fintech-Firmen reagiert. Die Bankenwächter wollen damit einheitliche Aufsichtsverfahren für Finanztechnologie-Unternehmen im gesamten Währungsgebiet erreichen, wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Freitag mitteilte. Erstmals würden Fintech-Firmen darüber informiert, was sie erfüllen müssen, um eine Lizenz für Bankgeschäfte zu erhalten.

Inzwischen entstehen rund um die Finanzbranche eine Vielzahl von IT-Unternehmen, die traditionellen Kreditinstituten Konkurrenz machen. Über solche Anbieter finden Sie regelmäßig auf geld-digital.de Informationen. Die Aufsicht müsse sicherstellen, dass Fintech-Firmen, die Bankgeschäfte betreiben, über eine Zulassung verfügten und ausreichend Risikokontrolle betrieben, heißt es seitens der EZB: „Zur Gewährleistung einheitlicher Bedingungen müssen Fintech-Banken dieselben Standards erfüllen wie alle anderen Banken.“

Millionen für Fintech-Branche

Wie sehr Fintech-Unternehmen im klassischen Bankensektor etablieren, zeigen die Entwicklungen der vergangenen Zeit. So sorgte etwa die Digital-Bank N26 (► Zum Testbericht) für Aufsehen. Die Berliner erhielten im Rahmen einer Finanzierungsrunde 160 Millionen Dollar ­ – also 130 Millionen Euro. Das war die größte Eigenkapitalspritze, die ein junges Fintech-Unternehmen bisher in Deutschland bekommen hat. Die Finanzierung wird von Allianz X, der digitalen Investment-Einheit der Allianz Gruppe, sowie Tencent, einem führenden Anbieter von Internet-Anwendungen in China, angeführt.  Die Transaktion ist die nach eigenen Angaben bislang größte Eigenkapital-Finanzierung (ausgenommen Börsengänge) im Fintech-Sektor in Deutschland und eine der größten in Europa. Die Finanzspritze soll die globale Wachstumsstrategie vorantreiben. So will der Anbieter noch in diesem Jahr sowohl in den USA als auch in Großbritannien Fuß fassen. Insgesamt hat N26 bis heute 215 Millionen Dollar eingesammelt. N26 besaß übrigens bereits vor Einschreiten der EZB-Bankenaufsicht eine Banklizenz.

Auch etablierte Bankhäuser strecken ihre Fühler nach Fintechs aus. So arbeitet etwa die ING-Diba mit dem Robo-Advisor-Anbieter Scalable Capital. Bei Investify setzt man dagegen auf die Sparkassen-Welt, wie Investify-Chef Sebastian Hasenack im Interview mit extra-funds.de erklärt. Der Startschuss war die Kooperation mit der Hamburger Sparkasse (Haspa).

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Markus Jordan ist Gründer und Herausgeber verschiedener Medien im Bereich Finanzen. Über die Firma Isarvest veröffentlicht er das EXtra-Magazin, das führende ETF-Magazin in Deutschland und Geld-Digital – das Verbraucherportal für digitale Finanzangebote. Er ist einer der führenden Experten auf diesem Gebiet.