Die ING Groep beteiligt sich am Berliner Fintech FinCompare. Das auf Kredite für Unternehmen spezialisierte Startup sammelte im Rahmen einer Serie-A-Finanzierung insgesamt zehn Millionen Euro ein, wovon die niederländische Finanzgruppe sieben Millionen Euro trägt. Der restliche Betrag wird von Altinvestoren übernommen. Das eingesammelte Kapital soll in die IT-Infrastruktur, das Personal sowie das weitere Wachstum fließen.

FinCompare will unabhängig bleiben

Schon im Februar hatte ING-Tochter Diba die Kreditplattform Lendico übernommen. Der Branchen-Newsletter Finanz-Szene.de spekuliert nun mit Verweis auf Branchenkenner, dass die ING Diba mit Hilfe des Knowhows von Lendico zunächst einen digitalen Unternehmenskredit anbieten und diesen schließlich über die neue ING-Beteiligung FinCompare vertreiben könnte. Eine ähnliche Transaktion ließ die ING Diba schon vor zehn Jahren in ein neues Geschäftsfeld vordringen. Damals übernahm die ING Groep den Baugeld-Vermittler Interhyp, welcher in Folge sein neues Schwesterunternehmen dabei unterstützte, im Bereich der Hypothekenfinanzierungen große Marktanteile zu gewinnen.

Wie der Newsletter weiter berichtet, soll FinCompare trotz des neuen Anteilseigners unabhängig bleiben. Dies ließ FinCompare-Chef Stephan Heller in einem Interview verlauten. Weiterhin würden der ING Diba künftig keine Vorteile auf FinCompare gewährt. Heller plane, FinCompare zur digitalen Hausbank für Mittelständler zu machen. Dass dieser Schritt mit Risiken verbunden ist, musste zuletzt das Frankfurter Fintech Fintura erfahren, das im Februar keine Anschlussfinanzierung mehr erhalten hat. Neben der Herausforderung, Kredite für kleine und mittlere Unternehmen sinnvoll zu standardisieren, belastet Fintechs für Unternehmenskredite auch ein weiterer Umstand: Auf die Fintechs kommen vor allem diejenigen Kunden zu, die Probleme haben, Kredite von ihrer Hausbank zu erhalten. Dies macht das Geschäft mit digitalen Unternehmenskrediten nicht leichter.

„Wollen Portfolio ausbauen“

Bei FinCompare freut man sich über den jüngsten Zuspruch der Investoren im Rahmen der Finanzierungsrunde über zehn Millionen Euro: „Schneller Zugang zu Kapital stärkt den Wirtschaftsstandort Deutschland. Über FinCompare können Unternehmen die Finanzierung schon jetzt voll digital abschließen, auch dank der Integration von Partnern wie beispielsweise solarisBank, Postbank und iWoca. Wir werden in den kommenden Monaten unser Portfolio in diesem Bereich ausbauen”, erklärt Heller.

Markus Jordan ist Gründer und Herausgeber verschiedener Medien im Bereich Finanzen. Über die Firma Isarvest veröffentlicht er das EXtra-Magazin, das führende ETF-Magazin in Deutschland und Geld-Digital – das Verbraucherportal für digitale Finanzangebote. Er ist einer der führenden Experten auf diesem Gebiet.