“Bewerten ist wie Danke sagen”, das hat Michael Ambros, Gründer des SaaS-Anbieters eKomi schon vor mehr als zehn Jahren erkannt. Heute ist eKomi Partner zahlreicher Unternehmen: Die Bewertungen fließen unter anderem in die Google-Suchergebnisse mit ein. Mit BankingCheck.de will Ambros auch in der Finanzbranche für Offenheit und Transparenz sorgen. Auf dem von eKomi veranstalteten „Banking and Insurance Summit 2019“ sollen im Juni auf Basis von Nutzer-Bewertungen Awards an Finanzunternehmen vergeben werden. Über die Rolle von Bewertungen im Internet und den Mentalitätswandel in der Finanzbranche haben wir mit dem Unternehmer und eKomi-Gründer gesprochen.

Sie sind Gründer von eKomi, einem der führenden SaaS-Anbieter im Bereich Kundenbewertungen. Gibt es bei Bewertungen im Internet nicht eine starke Polarisierung? Schließlich geben nur emotionalisierte Kunden Bewertungen ab…

Das ist in der Tat eine unserer Herausforderungen gewesen, als wir 2008 mit eKomi angefangen haben. Konkret haben wir drei Herausforderungen identifiziert: Erstens Bewertungen ohne Transaktion, zweitens Fake-Bewertungen und drittens den von Ihnen genannten Effekt. Die ersten beiden Punkte haben wir strukturell zu einhundert Prozent lösen können. Bei eKomi können nur Kunden bewerten, die auch wirklich eine Transaktion getätigt haben. Das Problem, dass häufig nur emotionalisierte Kunden zu Bewertungen bereit sind, adressieren wir auf verschiedenen Wegen. Wir schreiben Kunden persönlich an oder rufen direkt nach der Transaktion dazu auf, eine Bewertung abzugeben. Je einfacher das geht, desto eher vermeiden wir die von Ihnen genannte Polarisierung.

Wie weit sind Sie dabei bereits gekommen?

Es gibt große Fortschritte. Eine Bewertung abzugeben, gehört für viele Menschen inzwischen dazu. Bewerten ist wie Danke sagen. Das macht man nach dem Restaurantbesuch auch beiläufig. Genau so unkompliziert muss auch das Bewerten möglich sein. Erstaunlicherweise nehmen vor allem ältere Menschen Bewertungen sehr ernst, doch auch junge Kunden wissen, dass sie dank Bewertungen eine Stimme haben.

Welche Rolle kann Technologie bei transaktionsbasierten Bewertungen spielen? Wird man Servicequalität künftig messen können?

Daten sind vor allem im E-Commerce vorhanden und werden beständig ausgewertet. Allerdings verhindern auch Gründe des Wettbewerbs, diese Daten öffentlich zu machen. Grundsätzlich hat es natürlich einen Reiz, die subjektiven Bewertungen von Kunden mit  handfesten Daten zu untermauern.

eKomi gibt es nun seit mehr als zehn Jahren. Welche Entwicklungen gab es seitdem?

Als wir angefangen haben, steckten Systeme für unabhängige Bewertungen noch in den Kinderschuhen. Doch dann hat Google diesen unabhängigen Bewertungen eine große Relevanz beigemessen. Inzwischen gibt es etablierte Standards und auch aus wettbewerbsrechtlichen Gründen spricht Vieles dafür, die Meinung von Kunden über Dienstleister wie eKomi einzuholen. Bei Google finden Unternehmen, die darauf verzichten, kaum mehr statt. Das Angebot ist zu groß, als dass Produkte und Dienstleistungen, die nicht bewertet werden, konkurrenzfähig sein könnten.

Wie abhängig sind Sie von Google?

Die Frage müsste eher lauten: Wer ist nicht abhängig von Google? Die gesamte Medienbranche ist eng mit den großen Technologiekonzernen verknüpft. Große Teile unseres Alltags organisieren wir mit dem Smartphone. Ich glaube kaum, dass Google und Apple plötzlich verschwinden. Und doch ist Ihre Frage berechtigt. Im Bereich der Finanzprodukte haben wir mit BankingCheck im Jahr 2010 ein Portal gestartet, das über 900 Produkte von 800 Anbietern auflistet. Informationen erscheinen so gebündelt und unabhängig von der Google-Suche und Webseiten der jeweiligen Anbieter.

War es nicht schwer, die oftmals etwas verschlossene Finanzindustrie dazu zu bewegen?

Anfangs haben wir durchaus Skepsis gespürt. Inzwischen hat sich aber einiges geändert. Teilnehmende Unternehmen wollen Transparenz leben und sich dem Wettbewerb stellen. Das erwarten heute auch viele Kunden.

Warum war aus Ihrer Sicht ein Bewertungsportal für Finanzprodukte nötig?

Finanzprodukte sind für Laien oft nur schwer miteinander vergleichbar. Viele Produkte ähneln sich. Dank Bewertungen können Anbieter individuelle Stärken abseits der nackten Konditionen sichtbar machen. Produkte werden auf diese Weise greifbarer für die potenziellen Kunden. Hinzu kommt, dass gerade die Finanzbranche nach der Krise wenig Kredit bei potenziellen Kunden hatte. Mit Offenheit und Transparenz gelingt es allerdings, auch skeptische Kunden zu überzeugen.