Ende vergangener Woche vermeldete Zuper, ein Anbieter einer Finanzcoaching-App auf Basis von künstlicher Intelligenz, die Übernahme des Online-ID-Dienstleisters verify-U AG. Die Transaktion soll bis Ende Oktober abgeschlossen sein. Zuper will die Dienste von verify-U weiterentwickeln und den Standort in Mainz-Kastel erhalten. Doch wie passt die geplante Akquisition zum Kernprodukt von Zuper?

Auf Nachfrage von Geld-Digital erklärt Zuper-CEO Alexey Rubtsov die strategischen Hintergründe: „Zuper benötigt derzeit keine Dienstleistungen von verify-U. Wir würden unseren Nutzern in Zukunft jedoch gerne auch Bankdienstleistungen anbieten. Dafür benötigen wir eine Identitätsprüfung“, so Rubtsov. Mittelfristig soll die Zuper-App um Bankdienstleistungen, wie intelligente Sparziele oder Sofortkredite, erweitert werden. Dazu erwirbt das Münchner Unternehmen eine eigene Banklizenz.

„Gute Voraussetzungen für erfolgreiche Zusammenarbeit“

Dem Kerngeschäft von Verify-U misst der CEO vor allem angesichts der wachsenden Bedeutung von digitalen Lösungen zur Identifizierung von Kunden großes Potenzial bei. Da verify-U von der BaFin zugelassene Produkte anbiete und zudem Lösungen für andere europäische Märkte im Angebot habe, passe das Unternehmen zu Zuper. Für die Lösungen zur digitalen Identifizierung hat Rubtsov bereits Pläne. „Zuper hat ein starkes Design- und User-Experience-Team, eine große Marktkenntnis sowie umfassendes technisches Wissen. Dies sind gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Wir werden allerdings sowohl die Marke verify-U als auch die Benutzeroberfläche auf den Prüfstand stellen“, erläutert der Zuper-CEO.

Neben Banken und Versicherungen, welche digitale Lösungen zur Identifizierung in der Regel nachfragen, sieht man bei Zuper auch von Seiten anderer Unternehmen Nachfrage nach Identifizierungslösungen: „Neben großen Unternehmen wie AirBnB, bis hin zu kleineren Gesellschaften, die Altersverifizierungen benötigen, um beispielsweise Spiele oder Inhalte bereitzustellen: die Notwendigkeit, Nutzer schnell und zuverlässig zu identifizieren und Betrug vorzubeugen, wächst“, fasst Rubtsov seine Überlegungen zusammen.

Transaktion beschert Zuper 2,9 Millionen Kunden

Für die Teams von Zuper und verify-U soll sich künftig wenig ändern. Nach aktuellem Stand werden beide Gesellschaften bestehen bleiben und auch keine Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz wechseln müssen. „Wir möchten sicherstellen, dass beide Unternehmen von den Kompetenzen und Netzwerkverbindungen profitieren, die jedes Unternehmen separat entwickelt hat“, erläutert Rubtsov. Neben seiner Technologie und den Mitarbeitern in Mainz verfügt verify-U über 2,9 Millionen Kunden, welchen die Dienste von Zuper künftig ebenfalls zur Verfügung stehen sollen.

Schreibt seit 2006 über Finanzen und Börse. Neben Jobs für Anlegerzeitschriften, Finanzmagazine und Unternehmen aus der Branche beobachtet Nico für Geld-Digital.de seit 2018 spannende Fintechs aus dem deutschsprachigen Raum.