Funding Circle vermittelt seit 2010 Kredite zwischen Investoren und kleineren Unternehmen. Im Gespräch mit Geld-Digital.de erläutert Geschäftsführer Thorsten Seeger, was er über das Geschäft mit institutionellen Investoren denkt, wo Wachstumschancen lauern und welche Rolle Privatanleger für die Plattform spielen.

Wie eine aktuelle Studie von Deloitte zeigt, ist Crowdlending für die Finanzierung des Mittelstandes bedeutungslos. Ihr Haus hat bereits gegenteilige Untersuchungen zitiert. Was stimmt denn nun?

Wenn man lediglich das vermittelte Kreditvolumen betrachtet, könnte man zu dem Eindruck gelangen, die Bedeutung von Crowdlending wäre im Vergleich zum Geschäft der Banken gering. Dies ist aus meiner Sicht aber eine oberflächliche Sichtweise. Die Wachstumsraten zwischen 2016 und 2018 sprechen eine ganz andere Sprache. Hier stechen Plattformen wie Funding Circle die etablierten Banken aus.

Woran liegt das?

Unser Prozess ist einfacher und vor allem schneller. Ich verweise an dieser Stelle auf einen unserer Kunden, der zeitgleich mit dem Kreditantrag über uns auch einen Antrag bei der Bank gestellt hatte. Als die Bank einen ersten Termin vereinbaren wollte, gab es von uns bereits die Zusage. Gerade für kleinere Unternehmen, die nicht über bereits etablierte Finanzierungstrukturen verfügen, entscheidet die schnelle Abwicklung einer Kreditanfrage darüber, ob ein Geschäft getätigt werden kann oder nicht.

Was entgegnen Sie Stimmen, die behaupten, digitale KMU-Kredite seien Schönwetterkredite?

Wir haben unser Portfolio zuletzt einem Stresstest unterzogen. Die Ergebnisse sind sehr robust. Selbstverständlich führt jede konjunkturelle Eintrübung auch zu einem Anstieg der Ausfallraten. Diese würden aber in unserem Fall nur moderat ansteigen. Die Renditen würden auch in diesem extrem negativen Szenario noch immer zwischen drei und fünf Prozent jährlich liegen. Das besondere an unserem Portfolio ist, dass wir in Deutschland viele leistungsstarke Unternehmen haben und  zudem regional sehr diversifiziert aufgestellt sind. Diese Rahmenbedingungen sorgen auch für qualitativ hochwertige Kredite, die für Investoren attraktiv sind. Es ist auch keineswegs so, als würden unsere Kreditnehmer bei ihren Hausbanken abblitzen und deswegen zu Funding Circle gehen. Wir sind inzwischen für viele Kunden die erste Anlaufstelle. Auch das entkräftet den Vorwurf, es handle sich bei digitalen KMU-Finanzierungen um Schönwetterkredite.

Welche Rolle spielt Crowdlending für institutionelle Investoren?

Wir bevorzugen generell den Begriff des Platformlendings, vor allem im Zusammenhang mit institutionellen Investoren. In diesem Bereich sehen wir als Funding Circle Deutschland großes Potenzial. Vorbild ist dabei unser Geschäft in Großbritannien. 2017 haben wir dort ein Gesamtvolumen von 1,2 Milliarden Pfund vermittelt. Die Milliarden-Marke ist auch in Deutschland ein realistisches Ziel.

Wie gedenken Sie, dieses Ziel zu erreichen? Können Sie sich Zukäufe vorstellen?

Wir werden weiter kräftig wachsen. Allein im ersten Halbjahr 2018 haben wir mit 54 Millionen Euro bereits das gleiche Kreditvolumen vermittelt wie im gesamten Vorjahr. Das ist eine ordentliche Wachstumsrate. Zudem sorgen wir dafür, dass noch mehr kleine Unternehmen von unserem Angebot erfahren und es ausprobieren wollen. Der Vorteil an unserem Geschäft ist außerdem, dass Unternehmen, die einmal mit uns zusammengearbeitet haben, immer wieder kommen. Die Schnelligkeit, der unkomplizierte Prozess und der persönliche Service überzeugen eben. Zukäufe spielen dabei erstmal keine Rolle.

Sind private Anleger überhaupt noch relevant?

Seeger: Selbstverständlich. Unser Anteil privater Kreditgeber liegt global bei rund dreißig Prozent. Private Investoren sind seit jeher eine wichtige Säule für uns. Auch wir als Lending-Plattform sind darauf angewiesen, uns breit aufzustellen. Es ist immer gut, nicht nur von einer Investorengruppe abhängig zu sein. Im Übrigen schätzen unsere privaten Investoren die Möglichkeit, bei uns in echte Kredite und nicht in Nachrangdarlehen investieren zu können. Hinzu kommen die attraktiven Renditen von derzeit fünf bis sieben Prozent jährlich. Wir gehen daher davon aus, dass private Anleger auch weiter eine wichtige Rolle für uns spielen werden.

Sie sind neben Ihrem Mutterland Großbritannien auch in den USA, den Niederlanden und Deutschland tätig. Wie bedingen die unterschiedlichen Rahmenbedingungen vor Ort Ihr Geschäft?

Im Kreditgeschäft sind die regulatorischen Unterschiede selbst in Europa sehr groß. Beispielsweise benötigt man in Deutschland für die Vergabe von KMU-Krediten eine Vollbanklizenz. Aus diesem Grund arbeiten wir in Deutschland mit einer Partnerbank zusammen. In Großbritannien ist das nicht notwendig. Uns ist es wichtig, den Kunden unabhängig von den regulatorischen Rahmenbedingungen einfache Lösungen zu bieten. Alles, was im Umgang mit Finanzierungen komplex ist, erledigen wir im Hintergrund.