Vielleicht werden Sie mal Ihren Enkeln, davon berichten, dass Sie noch bei Wind und Wetter zur Bankfiliale gefahren sind, wenn Sie den Konto- oder Depotstand erfahren wollten. Für die ersten deutschen Bankkunden war damit Mitte der 1990er Jahre Schluss. Eine Direktbank nach der anderen schoss aus dem Boden. Die Fahrt zur Bankfiliale ist für Millionen Direktbank-Kunden 20 Jahre später längst nicht mehr nötig. Auch klassische Geldhäuser wie die Sparkassen und VR-Banken fahren seit Längerem zweigleisig und bieten ein meist günstigeres Online-Girokonto an. Doch seit Kurzem zündet die Finanzbranche die nächste Stufe der Digitalisierung. Doch auch hier sind es junge Unternehmen, die den Platzhirschen voraus sind. Ziel dabei ist es, möglichst viele Finanzdienstleistungen vom Smartphone aus zu steuern, die App als Tausendsassa für sämtliche Finanzdienstleistungen.

N26 als Vorreiter

Wer auf die Internetseite von N26 (► Zum Testbericht) geht, sieht sofort: Hier handelt es nicht um eine konventionelle Bank. Kunden und solche, die es werden sollen, werden geduzt; in acht Minuten sollen Kunden ein Girokonto bekommen. Der Anbieter ist Europas erste mobile Bank mit europäischer Vollbanklizenz. Die App ermöglicht weit mehr als bloß den Kontostand abzurufen. Nutzer können via Smartphone Zahlungen veranlassen, einen Kredit beantragen, an der Börse investieren, das Sparkonto pflegen und neuerdings auch Versicherung abschließen. Peter Bosek, Vorstand der Ersten Bank in Österreich, adelte das Konzept gegenüber futurezone.at als „einzige erstzunehmenden Konkurrenten aus der Fintech-Branche“.

Fintech ist eine Wortschöpfung und verbindet die Worte Finanzen und Technologie. Als Fintech-Unternehmen gelten in der Regel jüngere Startups, die Technologie dazu nutzen, um Innovationen in der Finanzbranche zu schaffen. Details finden Sie unserem Beitrag „Was bedeutet FinTech?

Revolut drängt nach Deutschland

Mehr und mehr ernstzunehmend ist aber auch ein Fintech aus Großbritannien. So konnte Revolut bereits im vergangenen Jahr 66 Millionen Dollar einsammeln. Der Startschuss in Deutschland fiel schließlich am 27. September 2017. Über die App sollen Kunden weltweit ohne Aufschlag Geld in fremden Währungen überweisen können. Auch Abheben soll weltweit kostenlos möglich sein. Das Angebot spricht daher vor allem Weltenbummler an. Interessante Extras: Die Londoner ermöglichen den Handel von Bitcoin, Ethereum und Litecoin in Echtzeit. Kunden erhalten außerdem einen Überblick über ihre Ausgaben – eine Art Haushaltsbuch.

Sparkassen-Kunden müssen erstmal warten

Bei den Sparkassen sollte Yomo der ganz große Wurf sein. Ein Blick auf das Twitter-Profil lässt vermuten: Hier ist Sand im Getriebe. Denn die bisher letzte Meldung datiert vom 9. Januar 2018. Auf Nachfrage von geld-digital.de verwies ein Sprecher der Hamburger Sparkasse (Haspa) auf Umstellungen der IT-Systeme. „Vor diesem Hintergrund haben wir entschieden, ein mobiles Konto für die junge Zielgruppe erst nach der Umstellung ab Mitte 2019 anzubieten.“ Ursprünglich wollten die Sparkassen ihren jungen bzw. junggebliebenen Kunden ermöglichen, ein Konto komplett über das Smartphone zu eröffnen und zu führen. Die beiden zuvor genannten Apps dürften mehr bieten. Das Potential ist aber riesig. Denn insgesamt führen Sparkassen in Deutschland fast 40 Millionen Girokonten. Doch die müssen sich erst einmal gedulden. Wie die App umgesetzt wird und wann sie letztlich konkret an den Start geht, ist noch unklar.

Video zum Thema „Bank der Zukunft“ mit Vertretern von N26, Revolut und Monzo.

Lesen Sie unseren ausführlichen Testbericht über das digitale N26 Girokonto.

Markus Jordan ist Gründer und Herausgeber verschiedener Medien im Bereich Finanzen. Über die Firma Isarvest veröffentlicht er das EXtra-Magazin, das führende ETF-Magazin in Deutschland und Geld-Digital – das Verbraucherportal für digitale Finanzangebote. Er ist einer der führenden Experten auf diesem Gebiet.