Nun hat auch die deutsche Fintech-Szene ihr Einhorn: Seit vergangener Woche ist die Smartphone-Bank N26 mit deutlich mehr als einer Milliarde Euro bewertet – zum Vergleich: In den USA gibt es 19 dieser Startups. In Großbritannien ganze fünf. Und doch oder gerade deswegen sorgte die jüngst vermeldete Finanzierungsrunde der Digital-Bank für Aufsehen. Endlich ist auch Deutschland in den Fintech-Olymp aufgestiegen. Dass N26 bei Investoren so gut ankommt, liegt in erster Linie am rasanten Wachstum. Die Kundenzahlen aktualisierte das von zwei Wienern gegründete und nun in Berlin ansässige Fintech zuletzt regelmäßig. Inzwischen betreut N26 2,3 Millionen Kunden – und weitere sollen bald dazu kommen. Als nächstes stehen die USA auf dem Zettel der ambitionierten Gründer.

N26 hat ein „Jedermann-Produkt“ ins 21. Jahrhundert überführt

In der Vergangenheit war die Expansion bereits mehrfach angekündigt worden, nun soll es aber noch im ersten Halbjahr 2019 klappen. Mit den USA würde N26 auf einen Markt vorstoßen, der offen für ein digitales Bankprodukt ist. Obwohl dort auch große Konkurrenz droht, trauen Investoren N26 scheinbar einiges zu. Bereits in Europa gelang es den Berlinern, sich gegen Revolut und Co. zu behaupten. Wieso also sollte das im Mutterland des Kapitalismus nicht auch gelingen?

Hinzu kommt, dass N26 seinen Kunden keine Visionen verspricht und stattdessen ein Produkt, das jeder bereits heute nutzt, ins 21. Jahrhundert überführt hat. Das Girokonto, das Geld kostet und zudem in erster Linie offline funktioniert, hat schon lange ausgedient. Das hat man bei N26 schon vor mehr als fünf Jahren erkannt und konsequent aufs Smartphone gesetzt. Auch, dass heutige Nutzer mobil sind und sich häufig in verschiedenen Währungsräumen aufhalten, war für N26 Ansporn, die eigenen Konten Schritt für Schritt besser zu machen. Hinzu kommen Goodies, wie kostenfreie Unterkonten oder einen Café-Modus, der sensible Informationen beim Banking in der Öffentlichkeit ausblendet. Mit dieser Kombination aus guten Konditionen und smarten Features hat N26 in den vergangenen Jahren viele Kunden überzeugt. Auch bei den beiden Bezahldiensten Apple Pay und Google Pay war N26 wie selbstverständlich als eine der ersten Banken mit dabei.

Nachdem die Bank nunmehr weitere 260 Millionen Euro auf der hohen Kante hat und nach eigenen Angaben nicht mehr weit davon entfernt ist, profitabel zu arbeiten, steht einer Fortsetzung der N26-Erfolgsgeschichte eigentlich nichts mehr im Wege. Zurücklehnen sollte man sich bei der erfolgsverwöhnten Digitalbank allerdings nicht. Erfahrungsgemäß werden die größten Fehler in der Euphorie gemacht. Beispiele dafür gibt es bei klassischen Banken genug.

Schreibt seit 2006 über Finanzen und Börse. Neben Jobs für Anlegerzeitschriften, Finanzmagazine und Unternehmen aus der Branche beobachtet Nico für Geld-Digital.de seit 2018 spannende Fintechs aus dem deutschsprachigen Raum.