NAGA-Vorstand Yasin Sebastian Qureshi: „Wir arbeiten nicht an Insellösungen, sondern bieten ein Ökosystem:“

Das Hamburger Fintech NAGA machte in der Vergangenheit mit innovativen Produkten und einem spektakulären Börsendebüt von sich Reden. Was die NAGA-Philosophie ausmacht und welche Rolle der chinesische Ankeraktionär dabei spielt, erläutert NAGA-Vorstand Yasin Sebastian Qureshi im Interview.

NAGA hat sich die Disruption bestehender Branchen zum Ziel gesetzt. Konkret arbeiten Sie derzeit an der Social-Trading-Plattform Swipestox und Switex, dem Handelsplatz für virtuelle Güter. Parallel haben Sie 2017 ein ICO durchgeführt. Sind das nach der Gründung 2015 und dem IPO 2017 nicht ein wenig viele Baustellen?

Yasin Sebastian Qureshi: Absolut nicht – und die Aufzählung wäre damit noch nicht einmal beendet. Wenn, dann könnte man von EINER Baustelle sprechen, da sich alle Komponenten bei uns in einem Ökosystem wiederfinden. Richtig ist jedoch, dass wir einen schnellen Takt haben, stets frische Produkte und Dienstleistungen herausbringen und weitere Anwendungen in unserer Entwicklungspipeline haben, die es unseren Kunden ermöglichen sollen, Ihre Leidenschaft (ob für Gaming oder Trading) in Vermögen zu verwandeln. Denn wir haben viel vor, wollen stark wachsen und das geht nur mit einem hohen Tempo und Begeisterung für den Markt. Erst jüngst haben wir  wieder einige Finanzinnovationen und -Updates vermeldet, darunter für unsere zentralen Produkte und Plattformen NAGA WALLET, das Social Trading-Netzwerk NAGA TRADER oder NAGA MARKETS. Bei der NAGA ACADEMY ist gerade der erste Kurs zertifiziert worden. Er wird im 3. Quartal am renommierten Alexander College in Zypern starten. NAGA VIRTUAL – eine anbieterübergreifende Handelsplattform für virtuelle Güter – war vorher unter dem Namen SWITEX bekannt. Nun haben alle unserer Anwendungen einen einheitlichen NAGA-Namen erhalten.

Sie kündigen auf Ihrer Webseite sogar noch weitere Services, wie eine eigene Kreditkarte und Online-Brokerage an. Mit welchem Team setzen Sie diese Projekte um?

Qureshi: Da wir konstant neue Finanzinnovationen für unser Ökosystem entwickeln und mit der Optimierung der jeweiligen Komponenten befasst sind, ist unser Unternehmen auf ein Team angewiesen, das schnell sowie effektiv zusammenarbeitet und sich schnell an neue technologische Herausforderungen anpasst und Antworten auf diese findet. Unser gesamtes Team besteht aus 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vertreten aus 30 verschiedenen Nationen. Jeder Einzelne spielt dabei eine wichtige Rolle für die Verwirklichung unserer Projekte. Für den technologischen Aspekt sind vor allem unsere 80 Senior Developer wichtig, welche die neuesten Programmiersprachen nutzen und sämtliche Produkte von Grund auf selbst entwickeln.

Wie wichtig ist es Ihnen, Kunden viele Dienste aus einer Hand zu bieten? Oder müssen NAGA-Kunden etwa damit rechnen, dass Dienste wieder eingestampft werden?

Qureshi: Die Bereitstellung unserer Dienste aus einer Hand gehört zweifelsohne zur DNA der NAGA Group und ist auch unser größtes Alleinstellungsmerkmal. Wir arbeiten ja nicht an Insellösungen, sondern bieten ein Ökosystem, in dem alle Anwendungen und Dienste miteinander in Verbindung stehen. Deshalb setzen wir auch alles daran, allen Bestandteilen unseres Ökosystems die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken – denn nur so ist NAGA als Ganzes zu verstehen. Unser Universum besteht aus Asset Management, Banking, Brokerage, Trading, und Gaming und deckt damit die gesamte Wertschöpfungskette in diesem Bereich ab.

Warum haben Sie sich den Markt für virtuelle Güter ausgesucht?

Qureshi: Wir haben verschiedene Schwerpunkte, und einer davon ist der Markt für virtuelle Güter. Einerseits hat er ein enormes Wachstumspotenzial, gleichzeitig gibt es für Endnutzer viel zu wenige sinnvolle Lösungen – besonders plattformübergreifend. Nehmen Sie nur einmal den gigantischen Markt für Computerspiele: Dort gibt es im wahrsten Sinne des Wortes milliardenschwere Schätze aus Zehntausenden von Spielen, für die jedoch kein funktionierender und vor allem anbieterübergreifender Markt existiert, wo man mit „Schwertern“, „Goldtalern“, „Zaubertrünken“ oder „besonderen Fähigkeiten“, also all den erkämpften oder erkauften Items und Powerups, handeln kann. Mit NAGA VIRTUAL haben wir das geändert, denn das Feld ist aus unserer Sicht noch einigermaßen unbestellt – und die Gegenstände aus Computerspielen sind da auch nur ein Anwendungsgebiet.

Inwiefern können Sie mit Ihren Erfahrungen bei der Entwicklung digitaler Produkte in klassischen Bereichen der Finanzdienstleistung punkten? Wo wollen Sie etablierte Platzhirsche angreifen?

Qureshi: Unser Team ist erst dadurch so erfolgreich, weil bei uns Menschen sowohl aus dem technischen- als auch dem Finanzbereich zusammenarbeiten. Vor diesem Hintergrund ist auch die Gründung der NAGA Group zu verstehen. Während mein Partner Benjamin Bilski durch die Gründung einer Tinder-ähnlichen E-Commerce Plattform für Mode der Technologie-affine ist, komme ich aus dem klassischen Finanzbereich und liebe das Spiel mit komplexen Zahlen und Algorithmen.

Im Unterschied zu unserer Konkurrenz haben wir von Anfang an alles für die mobile Nutzung optimiert. Zusätzlich haben wir insbesondere im Bereich Social Trading mit dem NAGA TRADER eine App entwickelt, die auch Menschen ohne Erfahrung mit dem Börsenhandel einfach und spielerisch Zugang zum Kapitalmarkt ermöglicht. Nach dem Tinder-Prinzip kann man praktisch mit Wischgesten die Trades auswählen, die einem am attraktivsten erscheinen. Und es gibt einen Trading Radar, der User in der Nähe anzeigt, die ebenfalls am Trade teilnehmen. Auch darin sind wir Tinder ähnlich und unterscheiden uns von unser Konkurrenz.

Einer Ihrer wichtigen Anker-Aktionäre ist die chinesische Fosun-Gruppe, die auch an Ihrem zweiten wichtigen Eigentümer Hauck & Aufhäuser beteiligt ist. Wie groß ist der Einfluss von Fosun und welche neue Sicht auf digitale Märkte kann die Zusammenarbeit bieten?

Qureshi: Fosun hat keinen Einfluss auf unser operatives Geschäft, berät uns jedoch, wann immer wir dessen Expertise benötigen. Besonders aber steht uns das Fosun-Netzwerk zur Verfügung – und das ist riesig, schließlich handelt es sich hier um Chinas größten privaten Mischkonzern. Langfristig ist Fosun für uns auch ein bedeutsames Sprungbrett auf den chinesischen Markt. Auf seinen digitalen Plattformen hat Fosun dort allein 400 Millionen Endnutzer. Es liegt auf der Hand, dass wir diese Potenziale mittelfristig für unser Wachstum nutzen können – für neue Märkte und vor allem neue Kunden. Weltweit besitzt Fosun sogar 600 Millionen Endnutzer. Wir haben noch nicht mal begonnen, an diesen Kundenstamm heranzugehen, was wir jedoch mittelfristig tun werden. Daneben verfügt ein Konzern mit solcher Größe und Diversität über eine Fülle hochinteressanter Technologien und Tochterunternehmen. Daraus lassen sich ebenfalls erhebliche Synergien ableiten.