Neben N26, das in der vergangenen Woche die Schallmauer von einer Million Kunden durchbrochen hat, krempelt auch das britische Bank-Startup Revolut den Markt um. Das nach einer Finanzierungsrunde über 250 Millionen US-Dollar größte Fintech Europas wächst ähnlich schnell wie N26 und hat aktuell bereits mehr als zwei Millionen Kunden. Mit einer eigenen Handelsplattform für Aktien, auf der Kunden ohne Kommissionen handeln können, will Revolut nun noch mehr Nutzer anlocken. Einen ähnlichen Dienst hat das US-Fintech Robinhood schon seit einiger Zeit im Angebot.

Handelsplattform muss sich Praxistest stellen

Wie Revolut plant, sollen zunächst Aktien aus den USA und Großbritannien auf der eigenen Plattform gebührenfrei handelbar sein. Auch ETFs will das Fintech kostenlos handeln lassen. Um in den Genuss der Handelsplattform zu kommen, müssen deutsche Nutzer ein Premium Abonnement für 7,99 Euro im Monat abschließen.

Für aktive Trader aus Deutschland dürfte das Angebot des Fintechs auf dem aktuellen Niveau noch nicht überzeugen. Es bleibt abzuwarten, wie effektiv die Wertpapiere auf der Revolut eigenen Plattform handelbar sind. Wenn nur ein Bruchteil der zwei Millionen Kunden das Angebot nutzt, dürfte die Liquidität kaum an die etablierter Börsen herankommen. Obwohl anzunehmen ist, dass Kursunterschiede Arbitragehändler anlocken, welche von Preisunterschieden zwischen verschiedenen Handelsplätzen profitieren möchten und so auch exotischere Börsen liquider machen, dürften Profi-Anleger vorerst abwarten.

Revolut & N26: Die Zeichen stehen auf Expansion

Dennoch ist der Schritt von Revolut ein Fingerzeig: Kunden digitaler Banken wie N26 können sich auf weitere Angebote freuen. Um Wachstum zu erzielen, sind die Digitalbanken offenbar dazu bereit, lange bestehende Preisregime, wie beispielsweise beim Aktienhandel, umzukrempeln. Hinzu kommt, dass die Fintechs weltweit expandieren. So plant Revolut in den nächsten Monaten den Marktstart in USA, Kanada, Singapur, Hongkong, Australien und Neuseeland. N26 bestätigte vergangene Woche erneut, in den USA und Großbritannien angreifen zu wollen.

Markus Jordan ist Gründer und Herausgeber verschiedener Medien im Bereich Finanzen. Über die Firma Isarvest veröffentlicht er das EXtra-Magazin, das führende ETF-Magazin in Deutschland und Geld-Digital – das Verbraucherportal für digitale Finanzangebote. Er ist einer der führenden Experten auf diesem Gebiet.