Diese Übernahme hat es in sich: Für 4,8 Milliarden Euro (5,3 Milliarden US-Dollar) übernimmt der Kreditkarten-Gigant Visa das Fintech-Start-up Plaid. Eine entsprechende Vereinbarung gaben die Unternehmen 13. Januar 2020 nach US-Börsenschluss bekannt.

Das Fintech Plaid bietet eine Software an, mit der die Nutzer ihre digitalen Zahlungsdienstleister oder -Apps wie Paypal oder Venmo mit ihren klassischen Bank- oder Kreditkartenkonten verknüpfen können. „Plaid-User” können damit ihre Bezahl-App-Anbieter ermächtigen, Zahlungen über ihre Konten auszuführen.

Warum Plaid?

Kein Wunder also, dass sich Kreditkartenunternehmen wie Visa von Technologieanbietern wie Plaid herausgefordert fühlen, denn damit können Verbraucher auf das Bezahlen mit Giro- oder Kreditkarte leicht verzichten, indem sie offene Rechnungen direkt über ihre Konten via App begleichen.

Schließlich ermöglichen es die Produkte von Plaid, dass Anwender ihre Finanzinformationen bequem mit tausenden von Apps und Diensten wie Acorns, Betterment, Chime und Transferwise teilen. Die Verbraucher verlassen sich auf diese Apps und Services, etwa um ihre Ausgaben zu planen, ihre Ersparnisse zu erhöhen und ihre Investitionen zu überwachen. 

Fintech-Apps boomen

„Die Zusammenarbeit zwischen Finanzinstituten und Softwareentwicklern ist in den letzten Jahren immer wichtiger geworden, um den Verbrauchern die Nutzung von Fintech-Anwendungen zu erleichtern. 75 Prozent der internetfähigen Konsumenten weltweit nutzten im Jahr 2019 eine Fintech-App, um Geldbewegungen zu tätigen. Gegenüber dem Jahr 2015 entspricht dies einer Steigerung von 18 Prozent“, so das Unternehmen.

Plaid war bislang führend in diesem Segment: Jeder vierte Mensch mit einem US-Bankkonto hat heute schon Plaid genutzt, um sich mit mehr als 2.600 Fintech-Firmen in über 11.000 Finanzinstituten zu verbinden.

Reaktionen auf die Übernahme

Die Freude über die geglückte Übernahmen ist demnach groß im Hause Visa: „Wir freuen uns sehr über die Übernahme von Plaid und wie sie den Wachstumskurs unseres Unternehmens verbessert”, sagte Al Kelly, CEO und Chairman von Visa. „Plaid ist ein führendes Unternehmen in der schnell wachsenden Fintech-Welt und verfügt über die besten Angebote und Talente. Die Übernahme, kombiniert mit unseren bereits laufenden Fintech-Bemühungen, wird Visa in die Lage versetzen, Fintechs, Finanzinstituten und Verbrauchern echte Mehrwerte zu bieten.”

Auch bei Plaid kochte die Stimmung aufgrund der Übernahme hoch: Zach Perret, CEO und Mitbegründer von Plaid, sagte über den Zusammenschluss mit Visa: „Plaids Mission ist es, Geld für alle einfacher zu machen, und wir freuen uns über die Gelegenheit, dieses Versprechen auf globaler Ebene weiterhin zu erfüllen. Visa besitzt das Vertrauen von Milliarden von Konsumenten, Unternehmen und Finanzinstitutionen und ist ein wichtiger Teil des finanziellen Ökosystems. Gemeinsam können Visa und Plaid das schnelle Wachstum der digitalen Finanzdienstleistungen vorantreiben.”

Neues Unternehmen – neue Geschäfte

Der Erwerb von Plaid durch Visa stellt sowohl einen Einstieg in neue Geschäfte als auch eine ergänzende Verbesserung des bestehenden Geschäfts von Visa dar. Zum einen eröffnet das Fintech-zentrierte Geschäft von Plaid neue Marktchancen für Visa sowohl in den USA als auch auf dem internationalen Parkett. Zweitens schafft der Zusammenschluss von Visa und Plaid neue Möglichkeiten, ihren Kunden verbesserte Zahlungsmöglichkeiten und damit verbundene Dienstleistungen anzubieten. 

Schließlich ermöglicht die Übernahme eine engere Zusammenarbeit mit Fintechs im allgemeinen und fördert so das Wachstum im Kerngeschäft von Visa, oder mit den Worten des CEO und Chairman von Visa, Al Kelly: „Die Kombination von Visa und Plaid wird uns in das Epizentrum der Fintech-Welt bringen, unseren gesamten adressierbaren Markt erweitern und unseren langfristigen Wachstumskurs beschleunigen”.

Profitieren Verbraucher von der Übernahme?

Auch andere Unternehmen und Marktbeobachter erwarten, dass die Kombination von Visa und Plaid nach dem Abschluss erhebliche Vorteile für Bauträger, Finanzinstitute und Verbraucher mit sich bringen wird. Dan Schulman, President und CEO von PayPal äußerte sich zu dem Zusammenschluss folgendermaßen: „Wir haben starke Beziehungen sowohl zu Visa als auch zu Plaid. Die Kombination der Fähigkeiten von Plaid mit der Sicherheit und dem Umfang des globalen Netzwerks von Visa wird uns spannende Möglichkeiten zur Verbesserung unserer Produkte bieten”.

Auch Gordon Smith der Co-Präsident von JPMorgan Chase und CEO von Consumer and Community Banking glaubt, dass Verbraucher nachhaltig von der Verschmelzung beider Unternehmen profitieren: „Wir glauben, dass die Übernahme von Plaid durch Visa eine wichtige Entwicklung ist, um den Verbrauchern mehr Sicherheit und Kontrolle über die Verwendung ihrer Finanzdaten zu geben. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Visa, um unseren gemeinsamen Kunden weiterhin eine großartige Erfahrung zu bieten.“

Eine Zusammenschluss unter Vorbehalt?

Jedoch ist es zum Jubeln noch ein bisschen zu früh, denn die Übernahme steht dato noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Aufsichtsbehörden und anderer üblicher bürokratischer Abschlussbedingungen. Visa wird die Übernahme aus dem Kassenbestand und der Ausgabe von Schuldverschreibungen zum gegebenen Zeitpunkt finanzieren. Die Transaktion wird keine Auswirkungen auf das bereits angekündigte Aktienrückkaufprogramm oder die Dividendenpolitik von Visa haben, heißt es aus der Firmenzentrale. Der erfolgreiche Abschluss der Übernahme wird in den nächsten drei bis sechs Monaten erwartet.

Uwe Görler ist seit 2011 als Finanzredakteur für das Anlegerportal extraETF.com und das Extra-Magazin tätig und behandelt die Themen ETFs und Robo-Advisors. Zuvor schrieb er in verantwortlicher Position für die "Zertifikatewoche" und verfasste Beiträge zu den Themenbereichen Wirtschaft & Finanzen sowie Gesundheit für verschiedene Rundfunkkanäle, darunter Antenne Bayern und N24.