Im Frühsommer 2016 erzählte mir ein Freund, dass Anleger über Onlineplattformen im Baltikum ihr Geld in Verbraucherkredite investieren können. Den Investoren werden dabei richtig hohe Zinsen bezahlt. Renditen zwischen 12 % bis 14 % sollen realistisch sein.

Als ich von der zweistelligen Rendite hörte, war aber nicht nur mein Interesse geweckt, sondern auch meine Skepsis. Aber das Investment sollte noch interessanter werden.

Bei einigen Krediten wird eine sogenannte Rückkaufgarantie angeboten. Fällt ein Kreditnehmer aus und kann seinen Kredit nicht mehr zurückzahlen, dann springt nach 60 Tagen der dahinterstehende Kreditgeber ein und erstattet den Investoren das investierte Kapital zurück.

Das Thema hatte mich schnell infiziert und begeistert. Seit nun mehr 3 Jahren bin ich meine eigene Bank und investiere in kleinen Beträgen (ab 10 Euro) in hunderte von verschiedenen Krediten in über 20 verschiedenen Ländern.

Doch immer, wenn ich über P2P-Kredite berichte, werde ich schief angeschaut. Daher möchte ich dir heute die P2P-Kredite etwas näherbringen und dir einen kurzen Überblick geben, wie das Investment funktioniert.

Was sind P2P-Kredite?

Laut Definition ist ein P2P-Kredit ein Kredit, den eine Person einer anderen Person vergibt, ganz ohne Mittelsmann (wie z.B. eine Bank). Bei den P2P-Krediten im Internet funktioniert die theoretische Definition aber nicht ganz. Für die Kreditvergabe im Internet brauchst du einfach fremde Hilfe. Diese Hilfe kommt aber nicht von einer Bank, sondern von Dienstleistern.

Vielleicht fragst du dich jetzt, warum solltest du Hilfe brauchen? Die Gründe sind vielfältig. Allein schon das Finden und die Kommunikation mit potentiellen Kreditnehmern in Polen, Lettland oder Bulgarien wird aus Deutschland schwierig. Zudem müssen bei der Kreditvergabe die jeweiligen Landesgesetze eingehalten werden. Hinzu kommen verschiedene Sprachen und Währungen.

Du siehst, allein schon aus organisatorischen und rechtlichen Gründen ist ein Mittelsmann ratsam, der dir viel Arbeit abnimmt.

Deine erste Hilfe: Der Kreditgeber

Die erste Hilfe ist daher der Kreditgeber. Diese Unternehmen sind in der Kreditvergabe tätig. Das bedeutet, dass die Kreditgeber den eigentlichen Kredit vergeben und auch das Mahn- und Inkassowesen übernehmen.

Deine zweite Hilfe: Die P2P-Plattform

Neben dem Kreditgeber brauchst du noch die Hilfe einer P2P-Plattform. Die P2P-Plattformen bringen die Kredite der Kreditgeber zu den Investoren und bieten viele nützliche Dienstleistungen wie z.B. den Handelsplatz, Kontoauszüge, einen Support oder einen Autoinvestor an.

In welche Kreditarten du investieren kannst

Auf den meisten P2P-Plattformen kannst du in sogenannte Payday Loans investieren.

Aber was ist ein Payday Loan? Payday heißt Zahltag und Loan heißt Kredit. Es ist also ein Zahltag-Kredit, der finanzielle Engpässe bis zur nächsten Gehaltszahlung (dem Zahltag) ausgleichen soll. Diese Kredite haben nur eine sehr kurze Laufzeit von wenigen Tagen (7-30 Tage). Auch die Beträge liegen fast immer deutlich unter 500 Euro, meist sogar unter 100 Euro.

Die Payday Loans machen einen sehr großen Teil der P2P-Kredite aus. Auf einigen Plattformen gibt es nur diese Form der Verbraucherkredite, die auch kurz laufende Verbraucherkredite genannt werden.

Die Zinsen

Gerade bei den Payday Loans zahlen die Kreditnehmer sehr hohe Zinsen. Die Kredite werden meist in wenigen Minuten online vergeben. Sicherheiten müssen die Kreditnehmer nicht hinterlegen. Daher erreichen die Zinssätze dreistellige Bereiche.
Da die Kredite nur wenige Tage laufen, relativiert sich der hohe dreistellige Jahreszinssatz etwas. Trotzdem stehen diese Kredite wegen der hohen Zinsen in der Kritik.

Die Kreditgeber wehren sich mit den Argumenten, dass die Laufzeiten sehr kurz sind, die Beträge sehr gering sind aber die Bonitätsprüfung, Verwaltung, Mahn- und Inkassowesen wie bei jedem anderen Kredit ebenfalls bezahlt werden müssen.

Wer nicht in diese Form der Kredite investieren möchte, der findet mit Auto-, Pfand- und Geschäftskrediten weitere Möglichkeiten. Hinzu kommen noch Hypotheken und die Rechnungsfinanzierung (Factoring). Die angebotenen Kreditarten sind mittlerweile vielfältig. Aus Diversifikationsgründen empfiehlt es sich daher, auch über die Kreditarten hinweg zu streuen.

Aktuell liegen die angebotenen Zinsen zwischen 8 % bis 15 % p.a. Kredite mit hinterlegten Sicherheiten, wie z.B. Hypotheken, bringen weniger Rendite als Kredite ohne werthaltige Sicherheiten.

Wie du in P2P-Kredite investierst

Nach der Registrierung auf einer P2P-Plattform deines Vertrauens kannst du Geld auf dein Dashboard überweisen. Die Einzahlung erfolgt per SEPA-Überweisung und dauert nur 1 bis 2 Werktage.

Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Wege sein Geld in P2P-Kredite zu investieren. Entweder manuell oder automatisiert. Ein manuelles Investment macht bei Immobilienkrediten Sinn, da hier oft umfangreiche Informationen über den Kreditnehmer, das Objekt, sowie die Sicherheiten zur Verfügung gestellt werden.

Bei Verbraucherkrediten, zu denen auch die Payday Loans gehören, gibt es allerdings keine Informationen. So haben sich die Autoinvestoren etabliert. Dies sind Programme, die per Mausklick nach den eigenen Investment-Wünschen konfiguriert werden. Du willst nur Kredite aus Polen mit einer Laufzeit von maximal 6 Monaten? Kein Problem. Drei Mausklicks und der Autoinvestor berücksichtigt deine Kriterien.

Neben dem Autoinvestor sind P2P-Kredite auch wegen der Rückkaufgarantie populär geworden. Die Kreditgeber fahren eine Mischkalkulation und preisen etwaige Kreditausfälle in das Angebot mit ein. Fällt dir einer deiner Kredite aus, kauft dir der Kreditgeber den Kredit wieder zurück.

Für dich wäre ein Ausfall fatal, für den Kreditgeber gehören Ausfälle zum Tagesgeschäft. Zudem hat der Kreditgeber ein Mahnwesen und ein Inkasso.

Unterm Strich ist die Rückkaufgarantie aber gefährlich, da das Wort Garantie ein gewisses Maß an Sicherheit verspricht. Garantiert ist dieser Rückkauf aber nicht. Der Kreditgeber kann diesen Rückkauf nur durchführen, solange er wirtschaftlich sauber aufgestellt ist und seine Kalkulationen funktionieren.

Taugen P2P-Kredite nun als alternative Geldanlage?

Ich hoffe, ich konnte dir einen groben Überblick über das Investment „P2P-Kredite“ geben?

In den letzten drei Jahren habe ich mit den P2P-Krediten immer eine Rendite um die 12% p.a. erzielt. Für mich persönlich eigenen sich P2P-Kredite ideal zur Geldanlage ABER!! nur als Ergänzung und nur in einem sehr kleinen Rahmen. In der P2P-Community hat sich die Faustformel etabliert, niemals mehr als 5% – 15% des Gesamtportfolios in P2P-Kredite zu investieren.

Hohe Zinsen implizieren immer ein hohes Risiko!

Hinzu kommt, dass die P2P-Kredite noch eine recht junge Anlageform sind, die in den letzten Jahren massiven Zulauf hatte. Allein über die P2P-Plattform Mintos (meine Erfahrungen mit Mintos) wird aktuell monatlich ein Kreditvolumen von 200 Mio. Euro finanziert.

Bevor du mit dem Investment beginnst, informiere dich über die Risiken. Es gibt eine Reihe von Risiken, die vom Ausfall des Kreditnehmers über den Kreditgeber bis zur P2P-Plattform reichen. Ein Totalverlust des investierten Kapitals ist also möglich.
Auf meinem Blog habe ich mich ausführlich mit dem Risiko von P2P Krediten beschäftigt.

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Sebastian Wörner ist 37, verheiratet und hat zwei Kinder. Er lebt am Rand der Lüneburger-Heide und ist hauptberuflicher Software-Entwickler. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich intensive um seine Finanzen und investiert seit 2016 verstärkt in P2P-Kredite und Crowdinvesting. Auf seinem Blog Hobbyinvestor.de berichtet er über seine Erfahrungen.