Fintechs haben zum Teil revolutionäre Ideen. Doch je gewagter ein Geschäftsmodell, desto schwieriger ist es auch, Investoren von einer Finanzierung zu überzeugen. Doch für Startups ist es entscheidend, Kapital einzusammeln, um gute Geschäftsideen auch umsetzen zu können. Grundlegend entscheidet man bei Finanzierungsformen zwischen Fremd-  und Eigenkapital. Ersteres sind klassische Kredite und zweites Beteiligungen am Startup. In der frühen Phase, die bei Startups auch Seed-Phase genannt wird, sind Eigenkapital-Finanzierungen üblich. Die Gründer geben also einen Teil ihres Unternehmens ab und erhalten dafür Kapital.

Investoren bieten Fintechs Kapital und Knowhow

Diese Praxis hat gleich mehrere Vorteile: Neben Kapital holen sich Fintech-Gründer auf diese Weise oft auch Knowhow ins Unternehmen. Klassische Investoren in der frühen Phase sind nicht selten so genannte Inkubatoren oder auch Business Angels. Diese haben als neue Anteilseigner natürlich ein Interesse daran, dass ihr neues Investment gut läuft und stellen häufig Kontakte und Wissen zur Verfügung. Auch Gründer profitieren von solchen Beteiligungen. Zinsen und Tilgung werden nicht fällig und man kann sich voll und ganz auf den Erfolg des Startups konzentrieren. Gelingt es, Anteile unterhalb wichtiger Beteiligungs-Schwellen von fünfzig oder fünfundzwanzig Prozent zu verkaufen, ist auch der Einfluss der neuen Partner nicht so groß.

Verbriefte Kredite: Bei Fintechs in Deutschland eher unüblich

Ist die Gründungsphase gemeistert und geht es darum, das Fintech groß zu machen, sind manchmal Zwischenfinanzierungen nötig. Dieses Kapital fließt häufig in Marketing-Maßnahmen oder dient dazu, laufende Kosten zu decken. Während dieser Phase greifen oft so genannte Venture-Capital-Investoren zu. Dies sind Fonds, die sich darauf spezialisiert haben, Anteile an Startups zu erwerben. Bei dieser Form des Investments kommt es entscheidend darauf an, dass Investoren das künftige Geschäft bereits abschätzen und Chancen identifizieren können. Klassische Bankkredite spielen in dieser Phase noch keine Rolle – keine Bank würde einem jungen Unternehmen in einer solch frühen Phase einen Kredit geben. Auch ist noch nicht absehbar, wann das Fintech Geld verdient, um Kredite überhaupt bedienen zu können. Venture-Capital-Investoren erhalten daher im Gegenzug für ihr Investment Anteile am Startup.

Hat ein Fintech bereits bewiesen, dass das Geschäftsmodell Perspektiven bietet, wird erstmals Fremdkapital interessant. In den USA sind verbriefte Kredite in dieser Entwicklungsphase üblich. In Deutschland spielen diese allerdings eine geringere Rolle. Hier schießen oftmals bereits beteiligte Unternehmen Geld nach, wenn es darum geht, das Wachstum eines Fintechs zu sichern oder aber die letzten Hürden hin zur Rentabilität zu nehmen. Klassische Bankkredite eignen sich für junge Unternehmen in der Regel erst dann, wenn das Geschäftsmodell von Banken als tragfähig angesehen wird und Gewinne realistisch sind.

Fintech-Finanzierungen wachsen 2017 nur langsam

Während Startups in anderen Branchen häufig auch auf alternative Finanzierungsformen, wie beispielsweise die Schwarm-Finanzierung setzen, spielt dieser Ansatz bei Fintechs eine geringe Rolle. Der Grund dafür ist, dass Fintechs privaten Geldgebern selten eine geldwerte Gegenleistung für ihr Investment bieten können. Dies ist bei Startups, die beispielsweise Elektrofahrräder oder vollautomatische Kräutergärten auf den Markt bringen wollen, anders. Hier winken Investoren in der Regel die Produkte zum Vorzugspreis.

Bei Fintechs fällt darüber hinaus auf, dass diese in Bereichen agieren, die für klassische Unternehmen aus der Finanzbranche sehr interessant sind. Aus diesen Gründen beteiligen sich bei Fintechs überdurchschnittlich mehr große Unternehmen bereits in einem relativ frühen Stadium oder gründen mittels eigener Inkubatoren sogar selbst.

Doch diese Praxis hat auch eine Schattenseite: Viele Finanzunternehmen haben sich während der vergangenen Jahre bereits positioniert und Beteiligungen an Fintechs erworben. Somit fallen diese potenziellen Geldgeber für junge Fintechs weg. Wie Zahlen der Beratungsfirma Barkow Consulting zeigen, stiegen die Finanzierungen für Fintechs 2017 nur noch um neun Prozent auf 716 Millionen Euro. In den Jahren zuvor fiel das Wachstum mit 45 Prozent (2016) und 135 Prozent (2015) noch deutlich größer aus. Zwar fließt noch immer viel Kapital in den Markt, doch profitieren davon in erster Linie große Fintechs. Wie die Barkow-Studie zeigt, haben allein die zehn größten Startups 2017 44 Prozent des Kapitals erhalten.

Partner aus der Finanz-Branche sorgen für Legitimität

Als Hemmschuh für Wachstum in der Fintech-Branche wird neben dem Fokus auf große Kapitalgeber aus der Branche unter anderem auch die starke Regulierung gesehen. Wie die BaFin mehrmals betont hat, wendet sie für junge Unternehmen dieselben Regeln an, wie auch für seit Jahren etablierte Gesellschaften – einen Startup-Bonus gibt es nicht. Doch diese Praxis hat auch Vorteile: Aufgrund des starken Fokus auf Stabilität und die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben ist die deutsche Fintech-Landschaft von allzu großen Skandalen bisher verschont geblieben. Auch die vergleichsweise bedeutsame Rolle etablierter Finanzunternehmen hat für Kunden von Fintechs und die Fintechs selbst einige Vorteile. Neben dem Knowhow sorgen große Anker-Investoren aus der Branche unter anderem für Legitimität. Mit einer herkömmlichen Bank oder einem Versicherungsunternehmen im Rücken, dürfte es vielen Fintechs deutlich leichter fallen, Kunden zu überzeugen und für Wachstum zu sorgen. So rückt auch die Phase, in denen die Gesellschaften von klassischen Startup-Geldgebern unabhängiger werden und an Fremdkapital denken können, näher.

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Markus Jordan ist Gründer und Herausgeber verschiedener Medien im Bereich Finanzen. Über die Firma Isarvest veröffentlicht er das EXtra-Magazin, das führende ETF-Magazin in Deutschland und Geld-Digital – das Verbraucherportal für digitale Finanzangebote. Er ist einer der führenden Experten auf diesem Gebiet.