Das pan-europäische Zinsportal Weltsparen analysiert regelmäßig den Einfluss von der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) auf Sparer in ganz Europa. Mario Draghi sorgt zum Ende seiner Amtszeit bei der EZB noch einmal für großes Aufsehen. Zum Ankurbeln der Wirtschaft verstärkt die EZB mit den Beschlüssen ihrer Sitzung vom 12. September 2019 die vielfach kritisierte expansive Geldpolitik und reaktiviert das Anleihenkaufprogramm ab November mit einem monatlichen Volumen von 20 Milliarden Euro. Zugleich erhöht die EZB Strafzinsen für Bankeinlagen um 20 Prozent auf -0,5 Prozent. „Mit diesem Beschluss werden Banken noch mehr unter Druck gesetzt – und er treibt die direkte und indirekte Weitergabe der Negativzinsen an Bankkunden in ganz Europa voran. Als pan-europäisches Zinsportal sehen wir, wie Banken nach Lösungen für die verheerende Zinslage suchen. Deshalb sehen wir eine steigende Nachfrage nach Fintech-Services wie unserem, um Überschussliquiditäten zu verringen oder unsere Angebote ins eigene Portfolio einzubinden, damit Sparer Zugang zu besseren Zinsen erhalten“, kommentiert Tamaz Georgadze, Geschäftsführer und Mitgründer von Weltsparen, die aktuellen Entwicklungen.

Von Brexit-Drama bis Handelskrieg: Unsicherheiten erschüttern Europas Wirtschaft

Unter dem Druck der Handelsspannungen zwischen den USA und China, der instabilen italienischen Regierung und der scheinbar endlosen Unsicherheit über den Brexit verlangsamt sich das Wachstum der europäischen Volkswirtschaften. Während die Europäische Zentralbank ihre Negativzinsen trotz wachsender Bedenken ausweitet, stellen die unvorhersehbaren politischen Situationen sowohl in Großbritannien als auch zwischen China und den Vereinigten Staaten große Herausforderungen an die langfristige Zusammenarbeit mit  europäischen Regierungen. Zudem bleibt fraglich, wie Europa mit der sich verschärfenden China-Hongkong-Krise umgehen soll. Vor allem in Deutschland, der größten Volkswirtschaft der EU, trifft der Handelskrieg die Exporte stark und Experten sehen Anzeichen für eine bevorstehende Rezession. Neue Debatten entstehen über ein mögliches Konjunkturpaket für öffentliche Investitionen in die Infrastruktur Deutschlands.

Zinsen auf Tauchstation

Die meisten europäischen Sparer erzielen nach wie vor nur magere Zinsen – in zwölf Ländern Europas sind es laut Weltsparen sogar nur bis zu 0,20 Prozent im Durchschnitt. Leicht steigende Zinsen gab es nur in zwei europäischen Ländern: Sowohl Frankreich als auch Belgien setzten ihre Aufwärtstrends fort, während Finnland sowie das Vereinigte Königreich, Rumänien, die Tschechische Republik und Polen außerhalb der Eurozone mit 0,99 Prozent und damit deutlich höhere Privatkundenzinsen bieten als anderswo in Europa. Die höheren Privatkundenzinsen in Frankreichs und den Niederlande entstehen durch staatliche Subventionen für Sparpläne und Bausparpläne und stellen somit statistische Abweichungen dar.

Die Privatkundenzinsen auf dem restlichen Kontinent rutschen derweil weiter nach unten. In Deutschland ist der Zins nach mehreren stagnierenden Monaten und um minus 20 Basispunkte im Vergleich zum Vorjahr auf 0,10 Prozent. Irland, wo das Zinsniveau bereits am unteren Ende liegt, rutscht mit 0,03 Prozent endgültig in den Keller und auch in Spanien liegen die Zinsen bei ebenfalls bei 0,04 Prozent am Boden.

In Portugal, Österreich, Slowenien, Litauen und Belgien trotz Abschwung — sowie außerhalb der Eurozone Schweden, Dänemark, Ungarn und Bulgarien — liegen die Durchschnittszinsen für Privatkunden ebenfalls alle unter 0,20 Prozent.

Die Slowakei verlor mit -61 Basispunkten, Zypern setzte seinen Abwärtstrend fort, und Estland flachte nach einem jüngsten Aufwärtstrend wieder ab. Luxemburgs Zinsen setzen unterdessen ihre Achterbahnfahrt fort: Vor einem halben Jahr sind die Zinsen von einem Monat zum anderen um 175 Prozent gestiegen, anschließend um 27 Prozent  gefallen und schließlich gemäß den jüngsten Daten der EZB für Juni 2019 um 26 Basispunkte (+433 Prozent) gestiegen.

Top-Festgeld ergattern

Deutschlands berüchtigte „Zinsschere“ – die große Lücke zwischen den Raten der drei größten Banken und den besten Angeboten am Markt – schließt sich nur langsam, da die Top-Angebote auf ein Jahr leicht sinken. Damit seien die Zinsen der besten einjährigen Festgelder noch immer 35-mal höher als die besten Angebote der drei größten Banken. Irland erlebe unterdessen einen Rückgang seiner ohnehin niedrigen Spitzenangebote von 0,37 Prozent auf 0,30 Prozent und liegen damit noch nicht einmal mehr doppelt so hoch wie die Angebote der größten Banken mit 0,13 Prozent. Die größten Banken der Niederlande haben ihre besten Angebote erhöht und damit die Zinsschere um die Hälfte geschlossen.

Unterschiedliches Zinsniveau nutzen

Die Daten von Weltsparen zeigen, dass das Zinsgefälle innerhalb Europas groß ist. Gerade heimische Banken haben kaum noch nennenswerte Zinsen zu bieten. Portale wie Weltsparen, Zinspilot und Savedo bieten Zugang zu Tages- und Festgeldern mit weit überdurchschnittlichen Zinsen. Oft handelt es sich dabei um ausländische Banken. Die genannten Portale übernehmen alles Nötige für den deutschen Kunden.