Fintech ist eine Wortschöpfung und verbindet die Worte Finanzen und Technologie. Als Fintech-Unternehmen gelten in der Regel jüngere Startups, die Technologie dazu nutzen, um Innovationen in der Finanzbranche zu schaffen. Dabei handelt es sich sowohl um gänzlich neue Dienstleistungen oder aber klassische Finanzprodukte, wie beispielsweise Fonds, die lediglich mit Hilfe digitaler Ansätze neu umgesetzt werden. Das Ziel der Fintechs ist es, dank digitaler Produkte und moderner Vertriebskanäle Marktanteile zu gewinnen. Inzwischen gibt es allein in Deutschland hunderte Unternehmen. Europaweit gilt Deutschland als zweitgrößter Fintech-Markt hinter Großbritannien. Weltweit führend sind die USA. Wie das Bundesfinanzministerium in seiner Studie „FinTech-Markt in Deutschland“ schreibt, könnte das Fintech Gesamtmarktvolumen in Deutschland bis 2025 auf 97 Milliarden Euro steigen.

Fintech: Mehr als Finanzierung, Payment und Robo Advisory

Entscheidend für die hohen Wachstumserwartungen ist vor allem die Vielfalt der Fintech-Branche. Zwischen 2010 und 2015 gründeten sich vor allem in den Bereichen Finanzierung, Vermögensmanagement und Zahlungsverkehr Fintechs. Namen wie Scalable Capital, easyfolio oder auch vaamo stehen für digitale Dienstleistungen rund um die Verwaltung von Vermögen. Plattformen wie kapilendo, zinsland oder Exporo bringen Kapitalgeber und Kapitalsuchende in den verschiedensten Bereichen zusammen und decken die Sparte Finanzierung ab. Payworks, Spendit und viele andere kümmern sich um den Zahlungsverkehr. Neben den drei etablierten Bereichen Finanzierung, Vermögensmanagement und Payment gab es zuletzt auch einen Trend hin zu Neugründungen rund um Versicherungen. Diese so genannten InsurTechs wollen es ihren Nutzern einfacher machen, bestehende Verträge zu verwalten, zu optimieren oder kümmern sich schlichtweg darum, Kunden günstigere Versicherungen zu ermöglichen.

Kunden stehen Fintech-Lösungen offen gegenüber

Eine fünfte Gruppe der Fintechs operiert in Nischen, die vielen Endnutzern zwar nicht spontan in den Sinn kommen, für digitale Abläufe aber essenziell wichtig sind: Die Rede ist von Fintechs, welche sich um die Bewertung von Risiken und Bonitäten kümmern oder aber Startups, die sich mit der wichtigen Frage der digitalen Identifizierung auseinander setzen. Innovative Scoring-Modelle und auch das weite Feld der Sicherheit sind Voraussetzung dafür, dass viele neue Geschäftsideen effektiv umgesetzt und von Kunden angenommen werden.

Für die nahe Zukunft ist zu erwarten, dass die Zahl der Teil-Segmente im Fintech-Bereich weiter zunehmen wird. Dies liegt einerseits an der wachsenden Spezialisierung, aber auch daran, dass digitale Innovationen immer mehr Lebensbereiche erobern. Da die Bereitschaft potenzieller Kunden wächst, neue Wege zu gehen, lassen sich immer mehr Ideen rund um Finanztechnologie umsetzen. Langfristig kann dies dazu führen, dass einzelne Fintechs Services aus verschiedenen Bereichen abdecken. Schon heute gibt es beispielsweise Finanz-Apps, die neben Konten und Depot auch bestehende Versicherungen verwalten können. Hier wäre auch die Einbindung von Crowdinvesting-Diensten denkbar. Es ist wahrscheinlich, dass der anhaltende Erfolg von Fintechs dazu führen wird, dass eine Konzentration einsetzt.

Künftig werden Fintechs stärker kooperieren

In den vergangenen Jahren gab es vereinzelt bereits Übernahmen. Neben einer herausragenden Technologie, wird auch der bestehende Kundenstamm entscheidend dafür sein, wie attraktiv ein Fintech für den Markt ist. Unternehmen mit potenten Geldgebern und einer langfristigen Vision, dürften schon bald damit beginnen, Fintechs zu übernehmen und bestehende Geschäftsmodelle zu kombinieren. Der Fintech-Markt in Deutschland wird also in Bewegung bleiben. Kunden können sich neben weiteren Innovationen auch darüber freuen, dass digitale Dienste rund um Finanzen immer mehr zum Mainstream werden.

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Markus Jordan ist Gründer und Herausgeber verschiedener Medien im Bereich Finanzen. Über die Firma Isarvest veröffentlicht er das EXtra-Magazin, das führende ETF-Magazin in Deutschland und Geld-Digital – das Verbraucherportal für digitale Finanzangebote. Er ist einer der führenden Experten auf diesem Gebiet.